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Lufthansa fordert Streikverbot - Solidarität mit dem Streik der Piloten!

22.02.10 - Um Mitternacht hat der größte Streik in der Geschichte der Luftfahrt in Deutschland begonnen. Die etwa 4.500 Piloten, die in der „Vereinigung Cockpit“ organisiert sind, haben die Arbeit niedergelegt. Sie wollen damit Druck machen für ihre Forderung nach einem Stopp der Auslagerungen zu Billigtarifen. Konkret fordern sie, dass der Lufthansa-Tarifvertrag auch für die ausländischen Tochterfirmen gelten soll. Für diese Kernforderung sind die Piloten auch bereit, ihre Lohnforderung von 6,4 Prozent zurückzunehmen und eine Nullrunde zu akzeptieren. Die Lufthansa geht jetzt juristisch gegen den Streik ihrer Piloten vor.

Beim Arbeitsgericht Frankfurt sei ein Antrag auf eine einstweilige Verfügung eingereicht worden, sagte ein Konzernsprecher. Der Streik sei "unverhältnismäßig" und soll verboten werden - das ist ein grundsätzlicher Angriff aufs Streikrecht! Darauf reagierte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) auf die einzig richtige Art und Weise: Sie droht der Airline mit einer Verlängerung des Streiks: "Offenbar reicht der Lufthansa der Druck von vier Tagen Streik noch immer nicht", so ein Cockpit-Sprecher.

Die Lufthansa ist wie alle Fluggesellschaften schwer von der Krise getroffen und versucht, durch aggressive Lohndrückerei die Konkurrenz vor allem der Billigflieger auszustechen. Zu dem Zweck hat die Lufthansa gerade in der Krise expandiert. Es wurden mittlerweile mindestens 15 Tochterfirmen von Aerologic über British Midland bis Swiss International gegründet bzw. aufgekauft, die Stück für Stück Flüge der Lufthansa übernehmen sollen, aber mit niedrigeren Tarifen. Ein international für den ganzen Konzernverbund geltender Tarifvertrag ist in dieser Situation eine hervorragende Forderung, die ein hohes Bewusstsein der Piloten zum Ausdruck bringt und die jede Solidarität verdient!

Die Lufthansa blockiert seit einem Jahr die Verhandlungen über die Forderung der Piloten und stellt die Sache so hin, als ob die Piloten bei „Luxus-Gehältern“ den Hals nicht voll bekommen können. Tatsache ist, dass die Aktionäre der Lufthansa den Hals nicht voll bekommen können! Auch in der Hauptverwaltung sollen 15 Prozent der Arbeitsplätze vernichtet und die Löhne gesenkt werden. In dieser Situation ist die Forderung der Piloten keineswegs egoistisch, sondern unbedingt richtig, um das Prinzip „gleicher Lohn für gleiche Arbeit weltweit“ in einem solchen internationalen Monopol zu verwirklichen.

Mittlerweile hängt sich die Regierung, besonders Verkehrsminister Ramsauer in die Auseinandersetzung rein. Am Wochenende versuchte er schon mit allen Mitteln den Streik zu verhindern. „Wir wissen alle, dass ein Streik zu diesem Zeitpunkt verheerende Folgen haben könnte, die weit über die Luftfahrtwirtschaft hinausgehen.“ Der Streik sei ein „verheerendes Zeichen für andere Tarifbereiche“. Wo bleibt in dieser Situation Herr Westerwelle? Er wird nicht müde, die Trommel zu rühren, dass die Leistungsträger in der Gesellschaft gut bezahlt werden müssten. Wer soll denn ein „Leistungsträger“ sein, wenn nicht Flugkapitäne, die täglich Verantwortung für das Leben von vielen hundert Passagieren haben? Etwa der Außenminister, der unter "Leistung" offensichtlich täglich unverschämte Angriffe auf Arbeitslose versteht?

Und wieso sollte dieser Streik ein „verheerendes Zeichen für andere Tarifbereiche“ sein? Ganz im Gegenteil: Die Forderungen und die Kampfbereitschaft der Piloten sind geradezu beispielhaft für alle Arbeiter und Angestellten. Es ist durchaus wünschenswert, dass diese mutige Haltung Schule macht!