Umwelt

Erdbeben kann man nicht verhindern, aber man kann vorsorgen

01.03.10 - Nur wenige Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti wird aus Chile ein noch wesentlich stärkeres Beben gemeldet. Diesmal war nicht ein so riesiges Ballungsgebiet betroffen. Nach ersten Angaben sind über 700 Todesopfer zu beklagen. Eine Korrespondentin hatte uns nach der Katastrophe in Haiti seine Überlegungen geschrieben, die jetzt wieder hochaktuell sind: 

Zwar ist es nach heutigen Kenntnisstand nicht möglich, Datum, Ort und Stärke eines Erdbebens genau vorherzusagen, aber drei Kriterien geben Auskunft, ob ein Beben wahrscheinlich ist: wiederholte starke Erdbeben in der Vergangenheit und der Gegenwart sowie das Vorhandensein von geologischen Spalten. (...)

Erdbeben kann man nicht verhindern, doch Vorsorge ist möglich, wenn sie langfristig angegangen wird. Und sie muss nicht einmal immer teuer sein: Spektakulär werden manche erbebensicheren Bauten präsentiert, zum Beispiel Hochhäuser, die auf riesigen Stoßdämpfern stehen. Das ist kostspielig und manchmal auch einfach nur Sensationsmache.

Man kann jedoch auch preiswert ein stabiles Haus bauen, das Beben besser auffangen kann, wenn bestimmte Dinge berücksichtigt werden. So zum Beispiel müssen die Bauelemente des Gebäudes solide verbunden sein. Niedrige Häuser - statt vielstöckigen Hotels - sind eher erdbebengeeignet. Auch die Balken eines Holzhauses halten Erdstöße aus, wenn man die in einer einer bestimmten Art verarbeitet, die unsere Knochenstruktur nachahmt. Dazu muss man jedoch die Menschen anleiten und ihnen solche und andere Maßnahmen vermitteln. (...)

Ein großes Problem in den armen Ländern ist der Baugrund: Das Terrain, das am billigsten ist oder gar nicht nutzbar für die Profitinteressen von Immobilienfirmen, ist gleichzeitig das gefährdetste, an Hängen und bei instabilem Grund. In erdbebengefährdeten Ländern gibt es präzise Pläne, wo und was bebaut werden darf und kann. Französische Wissenschaftler zum Beispiel haben in Haïti darauf aufmerksam gemacht – nichts geschah. So sind es die Ärmsten, die von einer Naturkatastrophe am schlimmsten betroffen werden. Jetzt weinen die Regierungen international Krokodilstränen, doch sie alle sind verantwortlich für den Verlust von zigtausenden Menschenleben.