Politik

Gewalt und sexuelle Übergriffe in 20 katholischen Bistümern

Gewalt und sexuelle Übergriffe in 20 katholischen Bistümern
Fotomontage zu Kloster Ettal von Frank Kopperschläger (www.kopperschlaeger.net)

06.03.10 - Fast täglich werden neue Fälle von sexueller Gewalt, Erniedrigung, Schlägen und sogar Folter durch katholische Ordensleute, Priester und Laien bekannt, die sich in Internaten und anderen Einrichtungen der katholischen Kirche abspielen. Die zum Teil mehrere Jahrzehnte zurückliegenden Fälle gehen in die Tausende und betreffen inzwischen 20 von 27 Bistümern der katholischen Kirche. Vom Canisius-Kolleg der Jesuiten in Berlin bis ins bayrische Kloster Ettal zieht sich diese Spur der Gewalt.

Im "Eliteinternat" Kloster Ettal waren Kinder jahrelang teils sadistischer körperlicher Züchtigung und sexueller Gewalt ausgesetzt. Man müsse von rund 100 Opfern ausgehen, sagte der eingesetzte Sonderermittler Thomas Pfister. In einem Zwischenbericht kommt Pfister zu dem Ergebnis, dass über Jahrzehnte hinweg Kinder und Jugendliche durch Mönche des Klosters "massiv misshandelt worden sind, und zwar in sexueller, physischer und psychischer Art und Weise". Auch heute soll es Pfister zufolge Misshandlungen geben.

Die katholische Kirche heuchelt nun Bereitschaft, die Aufklärung zu unterstützen und hat einen "Missbrauchsbeauftragten" eingesetzt. Dreist wird vom System der Unterdrückung und Gewalt in bestimmten kirchlichen Einrichtungen abgelenkt und behauptet, sexuelle Gewalt gebe es in der ganzen Gesellschaft. Natürlich gibt es solche Fälle als extremer Ausdruck einer menschenverachtenden Denkweise auch in anderen Bereichen. Das ändert aber nichts an der auffallenden Häufung innerhalb der Kirche. Erzbischof Silvano Tomasi, der ständige Vertreter des Vatikans bei den UN musste bereits 2009 eingestehen, dass weltweit 27.500 Priester und Beschäftigte bei der katholischen Kirche in Missbrauchsverdacht stehen - alles nur "Einzelfälle"?

Der hauptsächliche Grund für solche Praktiken, die bekanntermaßen alles andere als neu sind und schon Jahrhunderte in der Kirchengeschichte zurück reichen, sind der Zölibat, die katholische Sexuallehre und die damit einhergehende Doppelmoral. Dazu heißt es in dem Buch "Der Klassenkampf und der Kampf um die Befreiung der Frau": "Die Sexualität - und ganz besonders die weibliche - wurde von der Kirche als schmutzige 'Fleischeslust' verteufelt. ... Natürlich unterwarfen sich die Menschen zu keiner Zeit widerspruchslos diesen lebensfeindlichen Vorgaben. Aber die kirchlichen Moralvorstellungen verknüpften die Sexualität mit tiefen Schuldgefühlen. Statt eine erfüllte Sexualität als wesentliches Element einer sich gegenseitig stärkenden Liebensbeziehung entwickeln zu können, wurde sie zutiefst mit Strafandrohungen und Ängsten verbunden." (S. 68/69)

Kirche und Religion waren für die Herrschenden seit jeher auch Hauptstützen für die Aufrechterhaltung der patriarchalischen Familienordnung und der besonderen Unterdrückung der Frauen. Diese reaktionäre Rolle und Ideologie ist die Quelle der zahlreichen Übergriffe in den kirchlichen Einrichtungen. Sie stoßen auch bei vielen Katholiken auf helle Empörung, die aufrichtig die Forderung nach vollständiger Aufklärung und Bestrafung der Täter unterstützen.