Politik

Glatter Freispruch für Antifaschisten

Recklinghausen (Korrespondenz), 11.03.10: Am 10. März fand vor dem Amtsgericht Recklinghausen der Strafprozess gegen einen jugendlichen Antifaschisten statt. Anlass war eine Stadtratssitzung am 26. Oktober 2009, an deren Rand angeblich zwei Faschisten von Jugendlichen attackiert wurden.

So zumindest gaben sie es bei der Polizei zu Protokoll. Einen der Jugendlichen hätten sie erkannt, eben den Angeklagten. Das war kein Zufall. Hatten sie doch seinen Namen und Foto bereits seit Wochen im Internet publiziert und ihn unter anderem als "Ratte ... mit jüdischer Nase" und "Kriminellen" tituliert. Vor Gericht verstrickten sich die beiden faschistischen Zeugen mehr und mehr in Widersprüche. Vom Tatvorwurf der Körperverletzung blieb nach eineinhalbstündiger Verhandlung nichts mehr übrig. 

Damit schien der Prozess gelaufen. Das dachten zumindest die rund 15 Antifaschisten im Publikum. Das sah die Staatsanwältin anders: Das Gericht müsse "angesichts anwachsender Gewalt von rechts und links ein deutliches Zeichen setzen". So forderte sie eine Verurteilung wegen Verabredung und Beteiligung an einer Körperverletzung.

Die antifaschistische Haltung des Angeklagten wertete sie als strafverschärfend und gleichzeitig Ausdruck geistiger Unreife. Glaubhaft erschienen ihr hingegen die faschistischen Zeugen. Richter Heimeshoff kam ihrer Forderung nicht nach: Ein glatter Freispruch!