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Internationaler Frauentag: Selbstbewusste, überparteiliche und kämpferische Aktivitäten setzen sich durch

Internationaler Frauentag: Selbstbewusste, überparteiliche und kämpferische Aktivitäten setzen sich durch
Bild von der Open-Air-Veranstaltung zum Internationalen Frauentag am 6. März in Berlin

08.03.10 - Weltweit finden am heutigen 8. März Demonstrationen, Streiks, Kundgebungen und Veranstaltungen gegen die besondere Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Frauen statt. In Afghanistan demonstrieren Frauen gegen die imperialistische Besatzung, im Iran gegen das reaktionäre frauenfeindliche Mullah-Regime und in zahlreichen anderen Ländern gegen die Folgen der Weltwirtschaftskrise, die die Situation der Frauen noch verschärfen.

So geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor, dass im letzten Jahr nur noch 8,2 Millionen Frauen in Deutschland einen Vollzeitarbeitsplatz hatten. Das waren 640.000 weniger als noch zehn Jahre vorher. Dagegen nahm in der gleichen Zeit die Zahl der Teilzeitjobs um 1,1 Millionen zu, die Zahl der Frauen mit befristeten Arbeitsverträgen stieg um 40 Prozent auf 2,4 Millionen und die Anzahl der Leiharbeiterinnen verdoppelte sich.

Nicht nur wegen dieser gravierenden Auswirkungen der Hartz-Gesetze auf die Masse der Frauen wird der Internationale Frauentag sicher auch Thema bei den heutigen Montagsdemonstrationen sein. Es gibt allen Grund für entschlossene kämpferische Aktivitäten an diesem Tag - ganz im Sinne seiner Begründerinnen um Clara Zetkin, die den Internationalen Frauentag vor 100 Jahren bei der zweiten internationalen sozialistischen Frauenkonferenz ins Leben riefen.

Schon am Samstag wurden in vielen Städten Aktionen durchgeführt - oft getragen von Bündnissen, die ein zunehmend breiteres Spektrum der Frauenbewegung repräsentieren. In Gelsenkirchen beteiligten sich zum Beispiel Frauen der MLPD, der Linkspartei, von den Grünen, von Verdi, vom Frauenverband Courage und von "AUF Gelsenkirchen". Breite Bündnisse gab es unter anderem auch in Berlin, Mülheim, Köln, Frankfurt, Wuppertal und Witten.

Eine besondere Rolle spielte in diesem Jahr die Mobilisierung für die Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen im März 2011 in Venezuela - die dann 100 Jahre nach dem ersten durchgeführten Frauentag von 1911 statt findet. Eingeladen wurde zum Vorbereitungstreffen für den Frauenpolitischen Ratschlag am 28. März im Arbeiterbildungszentrum Gelsenkirchen (11-16 Uhr) sowie zum 3. Bundesweiten Vorbereitungstreffen zur Weltrauenkonferenz am 27. Juni. Die MLPD stritt und streitet als fester Bestandteil engagiert für die Perspektive der Befreiung der Frau von doppelter Ausbeutung und Unterdrückung im echten Sozialismus.

Während solche kämpferischen internationalistischen Aktivitäten zum Frauentag mehr und mehr Anziehungskraft gewinnen, bemüht sich die Bundesregierung, ihn zum Tag der "karitativen" Hilfe für die "ärmsten Frauen der Welt" zu degenerieren. In einem aktuellen Statement zum 8. März auf der Homepage der Bundesregierung findet sich doch tatsächlich kein einziges Wort zur Situation der Frauen in Deutschland, geschweige denn zur Tatsache der besonderen Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Frauen auch hierzulande.

Den Vogel schießt die "Ikone" der alten kleinbürgerlichen Frauenbewegung der 1970er Jahre, Alice Schwarzer, ab. In einem Diskussionsbeitrag in der "Frankfurter Rundschau" fordert sie bezogen auf den Internationalen Frauentag: "Abschaffen!" Ausdrücklich begründet sie das damit, dass "der 8. März ... eine sozialistische Erfindung" sei, "die ... 1910 auf der 2. Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen in aller Form beschlossen wurde".

Aus jeder Zeile ihres Beitrags quillt die Verärgerung darüber, dass die Frauenbewegung sich mehr und mehr vom kleinbürgerlichen Feminismus des Geschlechterkampfs lossagt und sich statt dessen der kämpferischen Tradition des Frauentags zuwendet. So versteigt sie sich gar zu der Behauptung, dass "die Frauenbewegung ... bekanntermaßen Anfang der 1970er Jahre im Westen nicht zuletzt aus Protest gegen die Linke" entstanden sei. Das trifft zum einen nur für einen Teil der damaligen kleinbürgerlichen Frauenbewegung zu. Vor allem unterschlägt Schwarzer damit die von Karl Marx und Friedrich Engels rund 100 Jahre zuvor begründete proletarische Frauenbewegung, eine der wichtigsten Wurzeln der heutigen kämpferischen Frauenbewegung.

Ihr antikommunistischer Ausfall gegen den Internationalen Frauentag ist nur der Höhepunkt der vollständigen Anpassung von Alice Schwarzer an das herrschende kapitalistische System, angesichts derer es für sie mittlerweile der größte "Erfolg" ist, dass eine Frau Bundeskanzlerin werden konnte. Es zeigt aber auch in aller Konsequenz, wohin die Unterordnung des kleinbürgerlichen Feminismus unter den "Marsch durch die Institutionen" letztlich führt. Im Sinne dieses Klärungsprozesses werden die heute in ganz Deutschland auf die Straße gehenden Frauen und Frauenorganisationen solche Angriffe auf den Internationalen Frauentag sicherlich entschieden zurückweisen.

Wir freuen uns schon auf weitere Berichte und Bilder von diesen Aktivitäten.