Politik

Neue Enthüllungen: BND wurde von und mit NS-Kriegsverbrechern aufgebaut

21.03.10 - In einem zähen Kampf mit den Behörden hat der Journalist Peter Carstens, Redakteur der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", neue Details über die Dimension der Verstrickung des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND mit dem Hitler-Faschismus ans Tageslicht gebracht. Es handelt sich um Dokumente, die bisher von der "Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen" im baden-württembürgischen Ludwigsburg unter Verschluss gehalten wurden. Daraus geht hervor, dass bis in die 1960er Jahre nicht nur jeder zehnte BND-Spitzel früher in der Terrororganisation SS war, sondern auch zahlreiche Kriegsverbrecher und Verantwortliche für faschistische Massenmorde dem BND angehörten.

Bereits im Spätsommer 1963 wurde im BND ein Sonderstab mit dem Namen "Organisationseinheit 85" eingerichtet. Einberufen wurde er vom damaligen BND-Präsidenten Reinhard Gehlen, der selbst ehemaliger Chef der Abteilung "Fremde Heere Ost" der faschistischen Wehrmacht war. Er wurde von der US-amerikanischen Besatzungsmacht mit dem Neuaufbau des Geheimdienstes beauftragt. Er hatte sich gegenüber dem US-Geheimdienst vor allem durch seine Kenntnisse über die Rote Armee und seinen Antikommunismus empfohlen. Ab 1945 baute er die "Organisation Gehlen" auf, aus der 1956 der Bundesnachrichtendienst (BND) hervorging. Dafür holte Gehlen selbst viele seiner ehemaligen "Kameraden" aus Wehrmacht und SS in den Geheimdienst.

Die "Organisationseinheit 85" hatte den Auftrag, herauszufinden, welche von ihnen in Verbrechen verwickelt und deshalb für eine weitere Beschäftigung beim BND untragbar waren. Zu den 146 befragten Mitarbeitern gehörte unter anderem Georg W., dessen "Einsatzkommando IV/2" mordend durch Polen maschierte und unter anderem an einem Tag nahe Palmiry 1.700 Männer, Frauen und Kinder liquidierte. Bis 1945 befasste er sich mit der Jagd auf Juden und Kommunisten und wurde dann von Gehlen beim BND angeheuert. Ein BND-Spitzel namens Erich Deppner hatte in den Niederlanden mehrere Erschießungskommandos geführt, die unter anderem in Amersfoort 85 wehrlose sowjetische Kriegsgefangene mit Genickschüssen töteten, wobei Deppner selbst geschossen haben soll.

Zwar mussten Mitte der 1960er Jahre 71 dieser Mitarbeiter den BND "aufgrund nachweisbarer Teilnahme an NS-Gedwaltdelikten" verlassen, doch die meisten gingen mit Abfindungen. Der BND zahlte und vermied so eine öffentliche Auseinandersetzung. Seit dem I. Weltkrieg wurden die Geheimdienste in Deutschland mehrmals lediglich formell aufgelöst und es standen oftmals die gleichen Drahtzieher - teils mit neuer Identität - an ihrer Spitze. Sie waren im Faschismus ein Instrument der herrschenden Klasse und sind es auch heute ganz im Sinne des deutschen Imperialismus.

Die neuen Enthüllungen unterstreichen aber auch, wes Geistes Kind die deutschen Geheimdienste sind, die heute eine Hauptquelle des Antikommunismus und der Hetze gegen den "Extremismus" sind. Die MLPD tritt für das Verbot aller faschistischen Organisationen und die konsequente Verfolgung aller Verbrechen des faschistischen Hitler-Regimes ein.