Betrieb und Gewerkschaft

Halberg Guss: Erfolg durch selbständigen Streik

Saarbrücken (Korrespondenz), 18.03.10: Die unter Insolvenzverwalter produzierende Gießerei in Saarbrücken (mit 1.100 Beschäftigten zweitgrößter Metallbetrieb der Stadt) sollte gestern an den brasilianischen Gießereikonzern Tupy verkauft werden. Deren Verhandlungsführer stellten beim Betriebsrat ihr Konzept vor: Übernahme der Firma Halberg Guss einschließlich der Zweigwerke in Südafrika und Leipzig. Das Saarbrücker Werk soll noch eineinhalb Jahre produzieren und dann geschlossen werden. 

Daraufhin setzte der Betriebsrat die Verhandlungsführer von Tupy vor die Tür und informierte die Belegschaft. Innerhalb weniger Minuten stand der Betrieb und die Mannschaft vorm Tor, für 20 Minuten. Da blieb selbst den Insolvenzverwaltern nichts anderes übrig, als den Verkauf an Tupy für unannehmbar zu erklären. 

Die MLPD war vor Ort und brachte ihre Solidarität zum Ausdruck. Für die Kollegen war die Grenze des Zumutbaren erreicht, zumal ihnen erst kürzlich der Lohn um 11,25 Prozent gekürzt worden war, d.h. 2 Euro weniger pro Stunde. Ein jüngerer Gießer erklärte: "Wenn Du draußen bist, bekommst Du keine Arbeit mehr."

Die Rechtlosigkeit aufgrund des Insolvenzverfahrens wurde von einigen stark kritisiert. In den Medien wurde sofort berichtet und direkt auf Bittstellerei bei der Landesregierung orientiert, sie möge sich für den Erhalt des Unternehmens einsetzen. Auf unsere Frage "Wie geht es denn weiter, wenn der nächste Anbieter ähnlich verfährt?" lautete die einhellige Antwort der Umstehenden: Wir müssen zusammenhalten. Mit sichtlichem Stolz gingen die Kollegen nach Hause, hatten sie Tupy doch in die Wüste geschickt.