Umwelt

60 Jahre Laufzeit für Atomkraftwerke?

26.03.10 - Die Bundesregierung plant, eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke (AKW) bis 60 Jahre zu prüfen - ein äußerst menschenverachtender und reaktionärer Plan. Das bisherige Atomgesetz sieht eine Abschaltung nach 32 Jahren vor. Es handelt sich also um eine Verlängerung um 28 Jahre. Der neue Plan würde bedeuten, dass die Atomkraftwerke erst nach 2050 stillgelegt würden. Selbst Umweltminister Norbert Röttgen betonte dazu, die Atomkraftwerke seien auf 40, nicht auf 60 Jahre ausgelegt.

Im Durchschnitt haben die 438 Atomreaktoren weltweit eine Laufzeit von 25 Jahren. Niemand kann also heute sagen, ob sie die 60 Jahre überhaupt durchhalten. Denn mit zunehmender Betriebsdauer wird das Material durch den dauernden radioaktiven Beschuss immer spröder. Eine solche Laufzeitverlängerung würde also das Risiko von weiteren Störungen bis hin zum GAU oder Super-GAU unkalkulierbar erhöhen.

Schon jetzt ist bei einigen AKWs der Störfall eher die Regel als die Ausnahme. Das AKW Krümmel beispielsweise meldete bis April 2009 313 Störfalle, Neckarwestheim über 400. Bei einem Störfall werden im Umkreis von 150 km von 5,4 (Gundremmingen) bis 11,8 (Neckarwestheim) Millionen Menschen unmittelbar gefährdet. Dazu kommt, dass auch heute schon keine verantwortbare Endlagerung besteht und die Mengen radioaktiven Mülls wachsen werden. Zusammengenommen ein unverantwortlicher Plan, der eine weitere massive Umweltzerstörung wie unvorhersehbare neue Risiken für die Bevölkerung bewusst einkalkuliert.

Der Grund ist, dass den vier großen Energieversorgern bei einer Verlängerung um 25 Jahre Riesen-Extraprofite winken: mindestens 233 Milliarden Euro zusätzlich. RWE-Chef Jürgen Großmann will die Laufzeit sogar auf 80 Jahre verlängern. Außer den Extraprofiten ist sicher ein weiterer Grund, dass sich die Monopole den Zugriff auf spaltbares Material mit dem Blick auf atomare Bewaffnung offen halten wollen.

Wenn sich jetzt Sigmar Gabriel (SPD) und Claudia Roth (Grüne) entsetzt zeigen, wie man solche Schrottmeiler weiter betreiben könne, dann ist das reine Heuchelei. Mit ihrem sogenannten "Atomausstieg" in der rot-grünen Regierung, der keiner war, haben sie erst den Weg dazu geöffnet, dass Restlaufzeiten stillgelegter AKWs (z.B. von Stade) auf andere übertragen werden können. So ging kürzlich das AKW Biblis wieder in Betrieb, das seit 1974 betrieben wird!

Geplatzt sind auch die Nebelkerzen von Umweltminister Norbert Röttgen, der mit seinen Forderungen nach Ausstieg den wachsenden Protest besänftigen wollte. Er und Angela Merkel sprechen von einer "Brückentechnologie", die man brauche, um zu erneuerbaren Energien umzusteigen. Dabei wäre es schon heute vom technisch-wissenschaftlichen Stand her möglich, die Energieversorgung zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umzustellen!

Gegen diesen Kurs entwickelt sich ein zunehmend breiter Widerstand. Am 24. April sind mehrere große Aktionen bundesweit geplant: eine landesweite Atomausstiegs-Demonstration in Ahaus, eine Umzingelung von Biblis, eine Menschenkette von Krümmel nach Brunsbüttel, und am 18. April eine überregionale Demonstration gegen Kohlekraftwerke und für Klimaschutz in Duisburg.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) weiß wohl, warum er vor den Landtagswahlen warnend darauf hinweist, die Atomenergie habe keine hohe Akzeptanz. Der Widerstand gegen die Umweltpolitik der Bundesregierung wird die latente politische Krise weiter verstärken. Die MLPD beteiligt sich nach Kräften an diesen Protesten und fordert: Sofortiger Ausstieg aus der Atomenergie auf Kosten der Betreiber!