Politik

Papst immer mehr in Bedrängnis

27.03.10 - Der Papst kommt immer mehr in Bedrängnis, seit bekannt geworden ist, dass er schon seit langem von sexueller Gewalt gegen Minderjährige in kirchlichen Einrichtungen wusste. Der Tübinger Theologe Hans Küng weist nach, dass Papst Benedikt XVI. in seiner Zeit als Vorsitzender der Glaubenskongregation bereits 2001 Anweisung gegeben hat, alle Voruntersuchungen und Anschuldigungen zu sogenannten "Missbrauchsfällen" an ihn, Joseph Ratzinger, weiter zu leiten.

Inzwischen sind hunderte Fälle von sexueller Gewalt bekannt: Allein ein Priester in den USA soll sich an 200 Gehörlosen vergangen haben. Nach einem kircheninternen Verfahren war der Priester mit Wissen Ratzingers lediglich versetzt worden. In Deutschland seien Kardinal Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., seit 2001 etwa 300 Fälle von Pädophilie bekannt, sagte Hans Peter Hurka von der österreichischen Organisation "Kirche von unten". Reaktionäre Kirchenvertreter wie der Bischof von Augsburg, Walter Mixa, oder der Bischof von Regensburg, Gerhard Ludwig Müller, versuchten mit hanebüchenen Schuldzuweisungen an die Gesellschaft und Medien von den Verantwortlichen in der Kirche abzulenken.

Bei den Massen dagegen sinkt das Vertrauen in den Papst und die katholische Kirche dramatisch. Laut einer Forsa-Umfrage des "Stern" sank das Vertrauen in die Kirche seit Januar von 29 auf 17 Prozent der Befragten und in den Papst von 38 auf 24 Prozent. Mit diesem Vertrauensschwund ist der Versuch einer reaktionären weltanschaulichen Offensive ("Wir sind Papst", "Bild" 2005) zur Aufwertung der katholischen Kirche ins Stocken geraten.

Mit Papst Benedikt XVI. verbindet sich eine reaktionäre Ausrichtung der Kirche. So trat er in seiner Zeit als Vorsitzender der Glaubenskongregation allen innerkirchlichen Bestrebungen auf eine humanere Auslegung der Kirchenregeln und der Unterstützung von Freiheitsbestrebungen entgegen. Mit seinem Verhalten im Umgang mit sexueller Gewalt in kirchlichen Institutionen ist sein Anspruch als oberste, "von Gott eingesetzte" moralische Instanz weiter untergraben.

Die Bundesregierung hat am Mittwoch einen "Runden Tisch" beschlossen, "der sich mit sexuellem Missbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen befassen wird - auch in Familien", so Familienministerin Kristina Schröder gestern im Bundestag. Auf Druck der deutschen Bischofskonferenz wurde die ursprüngliche Ausrichtung auf sexuelle Gewalt in kirchlichen Einrichtungen aufgeweicht. Damit macht auch die Bundesregierung deutlich, dass sie kein Interesse an einer rückhaltlosen Aufarbeitung und strafrechtlichen Verfolgung von sexueller Gewalt in der Kirche hat.