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Bombenanschlag in Moskauer Metro - Vorwand für Militäraktionen im Nordkaukasus

30.03.10 - Moskau: Ein zutiefst reaktionärer Terroranschlag, der sich gegen die Berufstätigen richtete, die im Zentrum der Stadt mit der U-Bahn unterwegs waren, forderte 39 Todesopfer, über 60 Menschen wurden verletzt. Fünf von ihnen schweben noch in Lebensgefahr. In den U-Bahn-Stationen Lubjanka und Park Kultury waren zwei Bomben zur Explosion gebracht worden. Offiziell zu der Tat bekannt hat sich bislang niemand.

Russische Medien berichten, dass es Warnungen vor einem Anschlag gegeben hätte. Augenzeugen erinnern sich an die "ungewöhnlich große Milizpräsenz" an den Metrostationen. Auch das Nachrichtenmagazin "RBK Daily" berichtet unter Verweis auf eine Quelle in der Moskauer Polizeibehörde, dass etwa vor einer Woche ein Befehl erging, die Streifen zu verstärken. Der Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, machte "Rebellen aus den Konfliktgebieten im Nordkaukasus" verantwortlich.

In den bürgerlichen Medien wird weltweit reißerisch über so genannte "islamische Schwarze Witwen" berichtet, die mit Selbstmordattentaten den Terror nach Moskau tragen würden. Präsident Dmitri Medwedew erklärte, Russland werde ohne zu zögern den "Krieg gegen den Terror" fortsetzen. Die Sicherheitskräfte würden kompromisslos gegen Terroristen vorgehen. Seit zehn Jahren führt Russland unter dem Vorwand der "Terrorbekämpfung" einen Vernichtungskrieg gegen die Völker in Nordkaukasien. Alleine in Tschetschenien kamen dabei 250.000 Zivilisten, darunter 42.000 Kinder, ums Leben.

Ein entschiedener Widerstand gegen diesen Staatsterror ist vollständig berechtigt, er darf sich aber nicht gegen die Massen richten, sondern gegen die Imperialisten! Bombenanschläge angeblicher islamischer Terroristen aus Tschetschenien müssen immer wieder dafür herhalten, dass das russische Militär mit brutalster Gewalt vorgeht und die Faschisierung des Staatsapparats zunimmt. 

Anatolij Pyzhov von der "Proletarskaja gazeta" ("Proletarische Zeitung") aus Sankt Petersburg erklärte gegenüber einem Korrespondenten der "Roten Fahne": "Es gibt einen ständigen Krieg verschiedener Kapitalgruppen innerhalb der Bourgeoisie. In jedem Fall dienen die Attentate der weiteren Entwicklung zum Polizeistaat, der Faschisierung des Staatsapparates. Die Autorität der Regierung fällt von Tag zu Tag. Die Menschen sehen die Schwäche der Regierung, ihr Leben hat sich in der Krise sehr verschlechtert und verschlechtert sich weiter enorm."

So demonstrierten alleine am 20. März in über 50 Städten Russlands Tausende gegen die Regierung, teilweise trotz Verboten. Am vergangenen Sonntag forderten in Archangelsk 4.000 wütende Menschen den Rücktritt Putins usw.

Die Unterdrückung der Völker Tschetscheniens ist für die imperialistische Politik Russlands von strategischer Bedeutung. Tschetschenien hat große Raffineriekomplexe, die unter anderem Flugzeugtreibstoff für Russland produzieren. Vor allem aber quert die einzige Pipeline, die Russland mit den riesigen Ölfeldern des kaspischen Meers verbindet, das Land. Die Ölfelder in dieser Region zählen heute zu den größten unerschlossenen Energiequellen der Welt. Dementsprechend wichtig ist es für Russland, diese Einflusssphäre nicht ebenfalls an die USA zu verlieren, so wie in den ehemaligen Sowjetrepubliken Usbekistan oder Kasachstan, wo die Ölfelder unter Kontrolle von US-Monopolen sind.

Die Terroranschläge in Moskau werden von den bürgerlichen Medien, allen voran "BILD", genutzt, um auch bei uns eine Atmosphäre der Angst zu erzeugen. Die Terroranschläge sind auf das Entschiedenste zu verurteilen. Genauso aber jeder Versuch, unter dem Vorwand einer "Terrorabwehr" den Abbau bürgerlich-demokratischer Rechte und Freiheiten weiter voran zu treiben.

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