Politik

Ostermarsch 2010 - auffällig war eine stärkere Beteiligung von Jugendlichen

Ostermarsch 2010 - auffällig war eine stärkere Beteiligung von Jugendlichen
Ostermarsch 2010 in Stuttgart

05.04.10 - Die traditionsreichen Ostermärsche feiern in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. In diesen Tagen finden an fast 70 Orten Veranstaltungen, Kundgebungen und/oder Demonstrationen statt. Die Beteiligung an den Aktionen liegt bisher nach Angaben des bundesweiten Sprechers Willi van Ooyen "ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres". Mit großer Empörung wurden die zynischen Äußerungen von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) quittiert. Sie haben den Tod von drei Bundeswehrsoldaten und die versehentliche Tötung sechs afghanischer Armeeangehöriger durch deutschen Beschuss gerechtfertigt und sogar zum Anlass genommen, erst recht die Aggression in Afghanistan fortzusetzen, da man dies den toten deutschen Opfern schuldig sei.

So beherrschte die Forderung nach sofortigem Abzug deutscher Truppen aus Afghanistan eindeutig die diesjährigen Ostermarsch-Aktivitäten. An zweiter Stelle der Forderungen stand die nach atomarer Abrüstung. Redner mahnten eindringlich, die Arsenale der imperialistischen Großmächte stellten nach wie vor eine große Gefährdung für die Existenz der Menschheit dar.

In Ostdeutschland richteten sich viele Proteste gegen die Bestrebungen, militärische Stützpunkte, Nachschubdepots, Übungsplätze usw. zu errichten. Nach Angaben der Informationsstelle Ostermarsch in Frankfurt/Main fand die größte Demonstration mit 2.200 Menschen in der Ruppiner Heide in Nordbrandenburg bei Wittstock statt. Dort konnte die Friedensbewegung erreichen, dass der Plan eines Bombenabwurfübungsplatzes aufgegeben wurde. Die Friedenskämpfer lassen aber nicht locker und wollen das endgültige Aus für jede militärische Nutzung durchsetzen.

Auch die verstärkte militaristische Propaganda steht vielerorts in der Kritik der Ostermarschierer. In Stuttgart zog der Demonstrationszug der rund 1.500 Teilnehmer mit Losungen wie "Bundeswehr raus aus Afghanistan und raus aus den Schulen" zum Kreiswehrersatzamt. Dort wurde ein Zwischenhalt gemacht und es sprach Tobias Pflüger, Europaabgeordneter der Linkspartei und Mitglied der Informationsstelle für Militarisierung e.V. (IMI). Unser Korrespondenz schrieb: "Er berichtete unter anderem von den Bemühungen von Bundeswehr und Bundesregierung an den Schulen und auf den Arbeitsämtern, junge Menschen zu rekrutieren. Die Bundeswehr habe sich zum Ziel gesetzt, jährlich 20.000 neue Soldaten zu werben. Er forderte den Stopp dieser Werbung."

Die Aktivitäten waren insgesamt von einem breiten Spektrum aus der Friedensbewegung und linker Parteien und Organisationen getragen. Dabei wurde aus einigen Orten (Rhein-Ruhr und Stuttgart) berichtet, dass erfreulicherweise "auffällig mehr Jugendliche" dabei waren. Die MLPD und ihr Jugendverband REBELL nahmen nach Kräften teil. In vielen Diskussionen gab es kameradschaftliche Auseinandersetzungen über weitergehende Positionen im Friedenskampf.

Eine konkrete Abrüstung durch den aktiven Volkswiderstand ist unbedingt zu erkämpfen und auch möglich. Eine Welt ohne Waffen ist aber auf dem Boden der kapitalistischen Ausbeutung und imperialistischen Unterdrückung nicht möglich.

In Ellwangen hielt ein Pfarrer eine eindrucksvolle Rede, in der er unter anderem sagte: "Wenn wir von Sicherheit reden, müssen deren Grundlagen zur Sprache kommen. Wie sehen sie in unserem Weltdorf aus? Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren auf diesem Planeten. Täglich sterben fast eine halbe Million Menschen den Hungertod. Über eine Milliarde Menschen sind unterernährt. Kein zukunftsfähiger Zustand! Laut Welternährungsbericht der UNO könnte die Landwirtschaft weltweit heute 12 Milliarden Menschen ernähren. Das ist fast das Doppelte der Weltbevölkerung. Die Schere zwischen dem Reichtum im Westen und der Armut im Süden der Erde geht auseinander. Das ist unerträglich. Diese Weltordnung verdient keine Rechtfertigung. Sie verdient keine militärische Absicherung."

Viele Ostermarsch-Aktivitäten beginnen an vielen Orten erst heute, bzw. werden fortgesetzt. Wir bedanken uns bei den Korrespondenten.