Umwelt

Fluggesellschaften drängen trotz bedrohlicher Vulkanaschewolke auf Aufhebung des Flugverbots

18.04.10 - Das seit drei Tagen in nordeuropäischen Ländern und seit fast zwei Tagen in Deutschland verhängte Flugverbot wegen der sich ausbreitenden Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjalla wird voraussichtlich bis mindestens Anfang nächster Woche bestehen bleiben. Die zwei größten deutschen Fluggesellschaften, Lufthansa und  Air Berlin, beklagen nun angebliche Milliardenverluste und bezweifeln den Sinn des allgemeinen Flugverbots. Es beruhe angeblich nur auf einer Gefahreneinschätzung aufgrund Computersimulationen, während nach wie vor erlaubte Überführungsflüge ohne Passagiere keinerlei Schäden an den Maschinen gezeigt hätten. Künftig müssten vor einem Flugverbot verlässliche Messungen vorliegen, vertrat ein Lufthansa-Sprecher.

Damit werden in arroganter und unverantwortlicher Weise längst vorliegende Belege für die tödliche Bedrohung, die Vulkanasche für den Luftverkehr darstellt, vom Tisch gewischt. Das Gemisch aus Staub, Gasblasen und Wasserdampf kann laut Andreas Beck vom Deutschen Wetterdienst dazu führen, dass Triebwerke wegen Sauerstoffmangel ausfallen, aber auch dazu, dass sensible Geschwindigkeits-und Höhensensoren ausfallen. Zudem kann die Frontscheibe zerkratzt werden, so dass die Piloten keine Sicht mehr haben.

Bei einem Jumbo-Jet von British Airways fielen 1982 alle vier Triebwerke aus, als er die Aschewolke eines indonesischen Vulkans durchflog. Zwar gelang es den Piloten anschließend, die Triebwerke wieder zu starten, doch war die Situation äußerst gefährlich. In den letzten 30 Jahren wurden laut Zeitschrift "Aero" mehr als 90 Düsenflugzeuge durch Vulkansache beschädigt. Allein 20 Fälle wurden 1991 nach dem Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen registriert.

Selbstverständlich bedeutet dies nicht, dass es bei jedem Flug durch Vulkanasche zu solchen Beeinträchtigungen kommen muss. Das Leben tausender Flugpassagiere ist aber viel zu wertvoll, als dass man es einem solchen Risiko aussetzen dürfte.

Aus reiner Profitgier wischen nun die verantwortlichen Manager der Fluggesellschaften die erdrückenden Belege dafür beseite, unter anderem weil sie empfindliche Nachtteile gegenüber den anderen internationalen Airlines befürchten, die nicht vom Flugverbot betroffen sind. Auch die Aktien der betroffenen Gesellschaften geraten an den Börsen bereits unter Druck. Außerdem sind Flugausfälle in der Regel nicht versichert. Auch die vom Luftfrachtverkehr abhängenden internationalen Monopole machen Druck. Allein der Frankfurter Flughafen schlägt bis zu 20.000 Tonnen Fracht pro Woche um.

Es ist aber überhaupt nicht einzusehen, dass die Monopole und insbesondere die Fluggesellschaften für die daraus entstehenden Verluste nicht selbst aufkommen - zumal sie über Jahre hinweg riesige Profite mit dem schnell wachsenden Luftverkehr erzielt haben. Selbst im Krisenjahr 2009 hat die Lufthansa einen operativen Gewinn von 130 Millionen Euro (nach 1,3 Milliarden im Vorjahr) ausgewiesen.

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