Politik

Bischof Mixa zurückgetreten - katholische Kirche in tiefer Glaubwürdigkeitskrise

22.04.10 - Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat in einem Brief an den Papst sein Rücktrittsgesuch eingereicht, "um Schaden von der katholischen Kirche abzuwenden". Wochenlang hatte er gemauert und vertuscht, nachdem frühere Schüler ihm vorgeworfen hatten, sie in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen geprügelt und misshandelt zu haben. Bekannt geworden war auch, dass er 40.000 Euro aus einer Waisenhausstiftung für die Anschaffung von Antiquitäten sowie 5.000 Euro für die Begleichung von Weinrechnungen zweckentfremdet hatte. Noch bis vor kurzem hatte er beteuert, keinem Schüler etwas angetan zu haben. Als immer mehr eidesstattliche Erklärungen ehemaliger Schüler seine Prügelorgien bezeugten, gab er halbseiden zu, ab und zu mal eine "Watsch´n" ausgeteilt zu haben.

Krampfhaft klammerte sich Mixa bis zuletzt an seinem Bischofsstab fest und wurde dabei von den Bischöfen der katholischen Kirche sowie vom Papst persönlich geschützt. Erst als der öffentliche Druck so groß wurde, dass er nicht mehr zu halten war, wurde er nun von der Kirchenführung aus dem aktiven Amt gedrängt. Offenbar in der trügerischen Hoffnung, dass sie dadurch aus ihrer tiefen Krise heraus kommen.

Ob das gelingt, ist mehr als fraglich. Zum einen ist in Mixas Fall selbst nichts wirklich geklärt. Er streitet weiterhin die Vorwürfe seiner ehemaligen Schüler ab und erklärte sich lediglich bereit, an der Aufklärung "mitzuwirken". Wie, das kann man sich lebhaft vorstellen. Auch im Fall der schweren "Untreue" auf Kosten der Waisen wird weiter gegen ihn ermittelt. 

Vor allem haben sich mittlerweile schon tausende bis zehntausende gemeldet, denen von Priestern oder Kirchenangestellten sexuelle und sonstige Gewalt angetan wurde, und das dürfte nur ein Bruchteil der tatsächlichen Fälle sein. System hat in der katholischen Kirche auch die skrupellose Bereicherung auf Kosten von Waisen und anderen "Schutzbefohlenen" und nicht zuletzt die penetrante Leugnung und Vertuschung solch perverser und krimineller Handlungen. Wer sich einen Eindruck davon verschaffen will, welch lange Tradition Gewalt, Doppelmoral und kriminelles Handeln in der Kirche haben, dem sei die weitgehend veröffentlichte zehnbändige Ausgabe der "Kriminalgeschichte des Christentums" des bekannten Kirchenkritikers Karl-Heinz Deschner empfohlen.

Völlig zurecht empören sich auch viele gläubige Menschen und Kirchenmitglieder über die immer neuen Enthüllungen und ihre Hintergründe. Die tiefe Glaubwürdigkeitskrise der Kirche und ihrer Führung schafft neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit christlich denkenden Menschen auf der Grundlage des Kampfs, zumal sie ein wichtiger Stützpfeiler des Systems der bürgerlichen Weltanschauung insgesamt ist.

Zugleich ist es zu begrüßen, wenn sich immer mehr Menschen von den Fesseln der Religion befreien, über die Stefan Engel in seinem Buch "Der Kampf um die Denkweise in der Arbeiterbewegung" schreibt: "Die Unzufriedenheit der Menschen über die irdischen Verhältnisse und die scheinbare Unerklärlichkeit der komplizierten Wirklichkeit beantwortet die Religion mit den unterschiedlichsten Denkgebäuden, deren gemeinsamer metaphysischer Kern die Leugnung der Fähigkeit des Menschen zur wissenschaftlichen Erkenntnis der Wirklichkeit und zu ihrer selbstbestimmten revolutionären Veränderung ist. Statt dessen gibt die Religion Erklärung und Trost in Gottes Gesetzen und der leeren Hoffnung auf eine ausgleichende Gerechtigkeit in einem Leben nach dem Tod." (S. 15/16)


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