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Bochumer Opelaner schreiben ihren Antwerpener Kollegen

23.04.10 - In einem Brief der Betriebsrats-Liste "Offensiv" bei Opel in Bochum und vieler weiterer Kollegen an die Antwerpener Kollegen, der "rf-news" zugeschickt wurde, heißt es:

Liebe Antwerpener Kollegen!

Wir möchten euch unsere Solidarität aussprechen gegen die geplante Schließung eures Werkes und für die Unterstützung von eurem berechtigten Streik dagegen am Dienstag!

Seit Monaten versucht die Konzernleitung gerade unsere beiden Werke gegeneinander auszuspielen. Aber gegen die Pläne von GM hilft nur gemeinsamer Kampf und schließlich wissen wir genau, dass wir die nächsten sein werden, wenn sie bei euch mit der Werksschließung durchkommen.

Umso wütender sind wir, wenn manche nun euch als "Roadblocker" bezeichnen. Die Geschäftsleitung, mit ihrer Arbeitsplatzvernichtung und Abwälzung der Lasten der Krise auf dem Rücken der Arbeiter ist der einzige "Roadblocker"!

Das Vorgehen der Geschäftsleitung bei euch erinnert viele von uns an die Vorgänge im Nokia-Werk hier in Bochum. In den letzten Monaten vor der Schließung wurden die über 3.000 Kolleginnen und Kollegen noch zu Überstunden herangezogen und ihnen Hoffnungen auf einen Investor gemacht. Mit der Drohung, bei einem Streik ganz ohne Abfindung dazustehen, wurden sie ruhig gehalten. Seit zwei Jahren ist das Werk komplett zu, die Abfindungen waren schnell aufgebraucht und heute sind die meisten ehemaligen Nokia-ArbeiterInnen arbeitslos.

Führt nicht der bei euch ausgehandelte Sozialplan in eine ähnliche Richtung? Bei uns ist es zu einem geflügelten Wort geworden: Es darf kein zweites Nokia geben! Das gilt auch für Antwerpen! Wir kennen ähnliche Situationen und können daher gut nach empfinden, was in euch vorgeht: Wut und Kampfgeist, aber auch Angst und Resignation. Doch Angst ist meistens ein schlechter Ratgeber.

Wir denken, auch im Interesse der Jugend haben wir eine Verantwortung um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen! Es ist wahr: Wer kämpft kann verlieren. Aber wer nicht kämpft, hat schon verloren! Unser Werk hier in Bochum steht auch nur noch, weil wir 2004 sieben Tage lang dafür gestreikt haben. Deshalb wissen wir auch: Wer kämpft kann auch gewinnen!

Wir, die Unterzeichner, werden unser bestmögliches dafür tun, euch zu unterstützen und um jeden Arbeitsplatz in Bochum und Antwerpen kämpfen!

Viele herzliche solidarische Grüße!