Betrieb und Gewerkschaft

Europaweiter Stahl-Aktionstag: Wenig Hoffnung in Appelle an Regierungspolitiker

Duisburg (Korrespondenz), 23.04.10: Zum Europäischen Aktionstag gegen Rohstoffspekulation waren gestern Mittag nach Angaben der IG Metall rund 10.000 Kolleginnen und Kollegen nach Duisburg gekommen. Wir haben Kollegen aus dem Saarland, aus Bremen, Salzgitter und von allen Stahlstandorten in Nordrhein-Westfalen getroffen. In unseren Gesprächen mit gut 200 Kollegen haben wir allerdings kaum jemand angetroffen, der Hoffnungen in Appelle an die Regierungen setzte, auf die von den offiziellen Rednern orientiert wurde.

Die meisten stimmten der Argumentation der konzernweiten Kollegenzeitung "Stahlkocher" zu, damit würde einer Illusion aufgesessen. Wenn die Spekulation mit Rohstoffen einen Extra-Profit verspräche, dann würde das Kapital sich einen Dreck um Ermahnungen und Appelle von Politikern oder Gewerkschaften scheren. Die Spekulation sei Bestandteil dieses Systems und würde ja selbst vor Lebensmitteln nicht halt machen, wie ein Kollege sagte.

Mit der Aufforderung, den Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze mit dem Kampf gegen dieses kapitalistische System zu verbinden und selbst daran mitzuarbeiten, taten sich die Kollegen allerdings noch schwer. Sie fänden es ja gut, wenn wir diesen Weg aufzeigen würden, aber kommt dabei auch etwas raus, wo wirklich die Arbeiterinteressen die Politik bestimmen würden? Hier zeigte sich enormer Gesprächsbedarf!

Der Klärung der Ursachen des Verrats am Sozialismus und der Schlussfolgerungen daraus, diente denn auch eine Gesprächsrunde am Rande der Kundgebung. Wir konnten die Auseinandersetzung nicht abschließen - die daran teilnehmenden Kollegen nahmen jedoch nachdenklich jede Menge Diskussionsstoff mit nach Hause.