Top

Heftige Auseinandersetzung in der Antwerpener Opel-Belegschaft um die Stilllegungsdrohung

21.04.10 - Am Dienstag früh streikte die Frühschicht von Opel im Antwerpener Werk in Belgien. Am Tag zuvor kam die Meldung, dass sich Opel/GM mit dem Europäischen Gesamtbetriebsrat (EEF) auf eine Lösung geeinigt hätten, die auf die Stilllegung des Werkes hinausläuft. Die Arbeiter sollten die "Einigung" schlucken und mit einem alten Angebot abgespeist werden, das schon mal im Jahr 2007 vorlag und dann aufgrund von Kampfaktionen zurück genommen wurde. Die MLPD hat von Anfang gegenüber der Europapolitik von GM/Opel die Bedeutung des Kampfes um jeden Arbeitsplatz als einzig richtige Antwort hervorgehoben und zugleich zur Wachsamkeit aufgerufen, dass Opel/GM mit dem Hin und Her von Attacken und Rückziehern die Kollegen zermürben will.

Opel/GM haben mächtig Angst vor der Kampfkraft der Kollegen. Just bei Bekanntgabe der "Einigung" am Montag wurden in Werksnähe Polizei und Feuerwehr aufgefahren. Massenmedien und Betriebsrat widersprachen sich in den Meldungen. "zeit.de“ schrieb am 19. April: "Eine Zustimmung der Belegschaft (zum Sozialplan) gilt als sicher." Der Betriebsrat des Antwerpener Werkes beschwerte sich über "gezielte Falschinformation" von Seiten des Opel-Vorstandes in der Öffentlichkeit, weil die Schließung des Werkes in der Antwerpener Belegschaft nicht akzeptiert worden sei.

Unter der Belegschaft findet jetzt eine intensive Auseinandersetzung darüber statt, wie man sich verhalten soll. Von den Auseinandersetzungen unter Antwerpener Kollegen konnten wir erfahren, dass nicht wenige das jahrelange Hin und Her satt haben und nur noch raus aus dem Werk und weg wollen. Andererseits wollen sie sich dieses Hinhalten und die Schließung auch nicht bieten lassen.

Die Gewerkschaft in Antwerpen unterstützt den Sozialplan nicht. Er sieht vor, dass bis Ende Juni 1250 Beschäftige entlassen werden sollen. Die Höhe der Abfindung liegt maximal bei 144.000 Euro. Dabei muss gut die Hälfte davon an Steuern an den Staat bezahlt werden. Das entspricht dem schon 2007 vorgelegten Plan und ist durch die Inflation sogar eine Verschlechterung. Darüber sind die Arbeiter erbost.

Konkreter Streikanlass von der Frühschicht war, dass diese erst mal überhaupt keinerlei Angebot vorgelegt bekam, im Unterschied zur Spätschicht vorher. Ab Donnerstag soll über den Sozialplan eine Abstimmung unter der Belegschaft stattfinden. Wird er von mehr als der Hälfte abgelehnt, müssen neue Verhandlungen geführt werden.

Unverschämt erklärt jetzt Opel/GM, wenn die Kollegen das Sozialplanangebot ablehnen, dann würden sie noch schlechter dastehen und es würde überhaupt kein Abfindungsgeld geben. Gleichzeitig wird die Hoffnung geschürt, dass intensiv nach neuen Investoren gesucht wird, die das Werk als Montagewerk für den Astra bzw. Produktion von Teilen davon weiterführen könnten. In dem Falle solle die Restbelegschaft mit einer Teilabfindung von 33 Prozent übernommen werden. Selbst diese schon unakzeptable Lösung mutet eher als Finte an: Denn es ist sehr zweifelhaft angesichts der massiven Überproduktion von Autos in Westeuropa, dass sich Geldgeber finden lassen. Und dann soll bis Ende des Jahres das Werk doch dicht gemacht werden.

Die deutschen Opel-Belegschaften wurden nicht sofort über die Vorgänge in Antwerpen informiert. Lediglich Vertrauensleute in Rüsselsheim und einige in Bochum erfuhren die Nachricht. Unmittelbar nach Beginn des Streiks sandten einzelne Bochumer Kollegen solidarische Grüße. "Natürlich werden wir die Solidarität organisieren in Bochum. Herzliche Glückwünsche für euren Mut!" Die Herausforderung steht für alle Opel-Belegschaften in Europa, gemeinsam die Angriffe konzernweit zurückzuschlagen. Das ist die einzige Sprache, die Opel/GM versteht.

Zufällig wird just während der Tage der Abstimmung in Antwerpen in Bochum am Donnerstag und Freitag nicht gearbeitet. Dafür sind als Ausgleich Samstag-Schichten angesetzt. "Wegen der Vulkanasche", heißt es offiziell. Das mag sogar zutreffen. "Aber," so schreibt uns ein Opel-Arbeiter aus Bochum, "vermutlich ist ihnen das in jedem Fall Recht angesichts der brisanten Auseinandersetzung in der Konzernbelegschaft."


Diesen und die anderen Artikel auf www.rf-news.de stellen wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, unentgeltlich zur Verfügung. Das bedeutet natürlich nicht, dass damit kein finanzieller Aufwand verbunden ist: für Bezahlung der Redakteure, Internet-Gebühren usw. Dafür bitten wir Sie um Spenden - auf das Spendenkonto 210333101 bei der Deutschen Bank (BLZ 360 700 24) - bitte Verwendungszweck angeben (Spendenkonten auf der MLPD-Website).