Umwelt

Gen-Kartoffelanbau unter Polizeischutz

20.04.10 - Gestern wurden bei Zepkow im Müritzkreis auf 15 Hektar Kartoffeln angepflanzt - unter Polizeischutz. Denn was da unter dem schönen Namen "Amflora" in die Erde gebracht wurde, ist gentechnisch verändert und es gab Proteste dagegen. Die Kartoffel wurde von der BASF Plant Science GmbH entwickelt, sie hat wesentlich mehr Stärke als andere Kartoffeln und ist nicht für den Verzehr, sondern für die industrielle Nutzung bestimmt. "Amflora" soll auch in Schweden und in Tschechien kommerziell angebaut werden. In ganz Europa gibt es Kritik daran, dass die EU-Kommission am 2. März "Amflora" für den kommerziellen Anbau zugelassen hat.

Wenige Monopole, darunter BASF, Bayer, Monsanto beherrschen im Verbund mit dem internationalen Finanzkapital den Weltmarkt der Biotechnologie und Agrarchemie. Die Forcierung der Gentechnologie in der Landwirtschaft liegt in ihrem Profitinteresse - so können sie sich die landwirtschaftliche Massenproduktion weltweit unterwerfen.

Die Produktivität in der Landwirtschaft ist heute so entwickelt, dass kein Mensch auf der Welt mehr hungern müsste - aber das setzt den Sozialismus voraus. Denn so lange der technische Fortschritt in der Hand der internationalen Übermonopole bleibt, wirkt er sich zu Lasten der Masse der Bevölkerung aus. "Rettet die Umwelt vor der Profitgier!" - diese Losung der MLPD bezieht sich auch darauf, den verantwortungslosen Umgang mit genmanipulierten Pflanzen zu stoppen.

Nach den Richtlinien der EU zum Anbau von Genpflanzen müssen vor einer Zulassung sämtliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt geprüft sein. In einem Rechtsgutachten im Auftrag von Greenpeace wird festgestellt, dass mögliche Gefahren durch "Amflora" nicht ausreichend untersucht seien.

Der BUND kritisiert, dass die Kartoffel auch ein Resistenz-Gen gegen das Antibiotikum Kanamycin enthält. "Antibiotika-Resistenzgene können dazu führen, dass Krankheitserreger gegen bestimmte Antibiotika unempfindlich werden und damit nicht mehr mit diesem Antibiotika bekämpft werden können. Das Antibiotikum Kanamycin spielt in der Behandlung lebensbedrohlicher Infektionen wie Tuberkulose eine wichtige Rolle. Gemäß EU-Richtlinie dürfen seit 2004 in Gentechpflanzen Gen-Sequenzen für Antibiotika-Resistenzen nicht mehr zum Einsatz kommen." (www.ots.at, 19.4.10) Die EU-Kommission hat die Verwendung der Abfälle für Futter zugelassen - wodurch Amflora trotz gegenteiliger Beteuerungen natürlich in die Nahrungskette gelangt.

Die Bundesregierung hat ausdrücklich in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, den Anbau der Gen-Kartoffel zu unterstützen, Agrarministerin Aigner (CSU) lehnt trotz Protesten ein Anbau-Verbot ab. Andernorts wird diese Gefährdung von Mensch und Natur im Interesse von BASF nicht so selbstverständlich hingenommen: In Österreich wurde der Anbau von Amflora verboten: "95 Prozent der Bevölkerung in Oberösterreich lehnen den Einsatz von Gentechnik auf unseren Feldern ab … In dieser zentralen Lebensfrage lassen wir uns von der Europäischen Kommission nicht in die Knie zwingen", so zitiert der österreichische Agrarpressedienst AIZ Oberösterreichs Agrarlandesrat Stockinger (www.gabot.de). Greenpeace erwägt eine Klage beim Europäischen Gerichtshof. Jens Karg, Sprecher der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000: "Wir müssen die EU-Kommission bei diesem Amoklauf stoppen."

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