Umwelt

150.000 bei längster Menschenkette gegen Atomkraftwerke

25.04.10 - Mit 147.000 Teilnehmern setzte die Anti-AKW-Bewegung beim gestrigen bundesweiten Protesttag und Tschernobyl-Gedenktag ein starkes Zeichen. 20.000 Demonstranten aus Rhein-Main und Süddeutschland umzingelten das AKW Biblis in Hessen, 7.000 demonstrierten vor dem Atomlager Ahaus bei Münster in NRW. Die größte Aktion war eine beeindruckende 120 Kilometer lange Menschenkette in Norddeutschland zwischen den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel quer durch ganz Hamburg mit 120.000 Teilnehmern. Organisiert hatten den Protest breite Aktionsbündnisse von Umweltinitiativen, IG Metall und Verdi, Kirchengemeinden, Vereinen, Jugendorganisationen und politischen Parteien.

Überall kamen weit mehr Menschen zu den Aktionen, als von manchen erwartet. In Stadtteilen wie Altona oder auch auf dem Land in Schleswig-Holstein vereinte die Menschenkette breite Schichten der Bevölkerung im Protest gegen die menschenverachtende und diktatorische Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung. Diese will die Laufzeiten auch der Alt-AKWs unbeschränkt verlängern und betreibt unter dem heuchlerischen Schlagwort der "Brückentechnologie" und des angeblichen Klimaschutzes zusammen mit den Energiekonzernen und Siemens den Neubau von Atomkraftwerken in zahlreichen Ländern.

Auch für Deutschland lässt sie Pläne für AKW-Neubauten entwickeln. Dieses Konzept dient einzig und alleine der Profitgier der Monopole, liefert den Vorwand für Repression, Bespitzelung und weiteren Abbau demokratischer Rechte, riskiert einen Super-GAU wie Tschernobyl in Deutschland und bedeutet schon im "Normalbetrieb" für tausende Menschen Krankheit und Tod.

Eine breite Mehrheit von über 70 Prozent der Bevölkerung fordert die sofortige Stilllegung aller AKWs und ist für den Übergang zu regenerativer Energieversorgung. Die Atompolitik ist ein drastischer Beweis für die Lebenslüge von der angeblichen freiheitlichen Demokratie und für die Unterordnung des Staates unter die Monopole und die Verschmelzung von Staat und Monopolen im staatsmonopolistischen Kapitalismus. So gehören z.B. 40 Prozent der Atomanlage in Ahaus dem Energiekonzern E.on, über 20 Prozent dem Land Nordrhein-Westfalen - und dies überwacht dann als "Aufsichtsbehörde" eben diese Anlage.

Mit dem gestrigen Aktionstag haben auch die Versuche von SPD und Grünen, den Protest zu vereinnahmen, einen neuen Höhepunkt erreicht. SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel und die grünen Exminister Renate Künast und Jürgen Trittin durften in der Menschenkette medienwirksam auftreten. Offenbar hoffen sie auf Unwissenheit gerade jüngerer Demonstranten. Es war doch gerade eine Bundesregierung von SPD und Grünen, die mit dem Ausstiegs-Betrug des "Atomkonsens" das Weiterlaufen der AKWs absicherte und die vorher ausgesetzten Castor-Transporte wieder aufnahm. Die SPD und ihre Spitzenfunktionäre in der Gewerkschaftsführung missbrauchen den Anti-AKW-Protest auch dazu, den Neubau von Kohlekraftwerken als "unverzichtbar für den Atomausstieg" zu betreiben.

Der gestrige Aktionstag unter dem Namen "Kettenreaktion" stand auch im Zeichen einer internationalen Vernetzung der Umweltbewegung. Russische Umweltschützer klagten auf der Kundgebung in Ahaus deutsche Atommülltransporte nach Russland an.

MLPD und REBELL hatten sich an den gestrigen Aktionen unter der Losung "Rettet die Umwelt vor der Profitgier!" aktiv beteiligt und förderten mit offenen Mikrofonen, dem Vertrieb ihrer Literatur und zahlreichen Gesprächen den Richtungsentscheid für den Aufbau einer aktiven Widerstandsfront. Symbolische Aktionen wie die Menschenkette sind hilfreich, um die breite Protesthaltung zum Ausdruck zu bringen. Um die Forderung nach sofortiger Stilllegung aller Atomkraftwerke durchzusetzen und die Umwelt vor der Profitgier zu retten, ist der Übergang zum aktiven Massenwiderstand notwendig.

In dem Buch "Ist die Erde noch zu retten" heißt es: "Der Mensch ist ... in der Lage, die Katastrophe durch aktiven Widerstand zu verhindern und die künftige Gesellschaftsordnung so zu organisieren, dass eine höhere Stufe der Einheit von Mensch und Natur wieder möglich ist." (Das Buch kann hier bestellt werden.)

 

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