Politik

Versorgung älterer Kranker zukünftig im "Eilverfahren"?

23.04.10 - Die Kieler Landesregierung hat ein neues Konzept für die ambulante Rehabilitation älterer Menschen erstellt. Es sieht vor, die Rehabilitation z.B. nach einen Schlaganfall oder Herzinfarkt aus dem Krankenhaus heraus und immer mehr auf die ambulante Versorgung zu Hause zu verlagern. Dieses vertraglich zwischen Krankenkassen, geriatrischen Kliniken und Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) vereinbarte Konzept soll schon 2010 unter dem Schlagwort "Ambulant vor stationär" auf 2.000 Patienten "im Eilverfahren" angewendet werden.

Es sieht eine enge Abstimmung zwischen Fachärzten und den Kliniken vor, um die Dauer des Krankenhausaufenthaltes in der Phase der Rehabilitation drastisch zu verkürzen. Für die ambulante Rehabilitation stellen die Krankenkassen den Fachärzten und den Kliniken pauschal 1.900 Euro pro Patient zur Verfügung.

Den geplanten Änderungen liegen Fortschritte in der Behandlung und Versorgung zugrunde, die heute tatsächlich eine raschere Mobilisierung von Krankenhauspatienten zulassen. Das versucht sich das jetzt erstellte Konzept zunutze zu machen, um in erster Linie die Kosten zu Lasten der Patienten zu reduzieren. Jeder, der alte Menschen nach schwerer Krankheit gepflegt hat, weiß dass die zunehmende Verlagerung der Versorgung auf die Angehörigen diese vor schwere Belastungen und teilweise unlösbare Aufgaben stellt.

Der praktische Arzt Günter Wagner aus Gelsenkirchen meint dazu gegenüber "rf-news": "Ein wesentliches Problem bei der Behandlung meiner Patienten ist die zunehmende Budgetierung von Leistungen. Dies würde durch diesen Vertrag noch verstärkt, der die betreffenden Leistungen ja auf 1.900 Euro beschränkt. Ist dieser Betrag aufgebraucht, dann tritt folgendes ein:
- die Leistungen werden aus einem anderen Topf bezahlt (wodurch Leistungen für andere Patienten gestrichen werden müssen)
- die notwendigen Maßnahmen werden nicht mehr verlängert und gestrichen
- die an der Pflege Beteiligten erbringen die Leistungen umsonst, was in der Pflege hauptsächlich zu Lasten der Familien geht.
Die hauptsächlichen Gewinner in diesem Fall sind die Kassen. Das ist nicht verwunderlich, weil die Kassen zu profitorientierten Konzernen umgebaut werden. Inzwischen haben sie schon die entsprechenden Namen wie 'DAK - Unternehmen Leben', 'Signal-Iduma-IKK' oder 'Allianz-KKH'."

Mit dieser Politik wird auch die Gesundheitsversorgung zur Ware und vollständig auf die Profitmaximierung ausgerichtet. Die Rentner und älteren Menschen sind aber keine "Kostenfaktoren", sondern haben im Laufe ihres Arbeitslebens ein Vielfaches dessen an Werten geschaffen, was notwendig sind, um ein würdiges Leben im Alter zu finanzieren.

Die MLPD hat deshalb die Forderung aufgestellt, dass die Sozialversicherungen vollständig durch eine von den Unternehmern zu bezahlende umsatzbezogene Sozialsteuer finanziert werden sollen. Wenn diese heute bei etwas über 6 Prozent angesetzt wird, können daraus alle Sozialversicherungskosten der Werktätigen für das Alter, für die Arbeitslosigkeit, für Krankheit und Rehabilitation bezahlt werden - ohne dass diese noch extra zur Kasse gebeten werden.

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