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Fünf Jahre Benedikt XVI. - fünf Jahre erzreaktionäre Signale aus Rom

19.04.10 - Heute vor fünf Jahren wurde der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst gewählt. Ein riesiger Medien-Hype wurde organisiert. "Wir sind Papst!" sollte zu wohl einer der berühmtesten Überschriften der "Bild"-Zeitung werden. Eine stärkere Hinwendung zur Kirche statt Rebellion gegen die herrschenden Zustände – das erhofften sich die Herrschenden im Verein mit der Kirchenführung von ihrer reaktionären weltanschaulichen Offensive vor allem für die Jugend. Nicht wenige Menschen ließen sich zunächst auch begeistern: Bis zu einer Million, gerade Jugendliche, nahmen am Weltjugendtag im August 2005 in Köln teil.

Heute hat sich die Lage radikal geändert. Eine weltweite Kritik entfaltet sich im Zusammenhang mit einer Flut immer neu aufgedeckter Fällen sexueller und brutaler Gewalt gegen Kinder und Jugendliche – und einem jahrzehntelang organisierten Verschweigen und Vertuschen. Diese Vertuschungsversuche setzt die Kirchenführung auf Kosten der oft schwer geschädigten Opfer fort. Erst jetzt ging wieder ein Fall an die Öffentlichkeit: Der "Spiegel" berichtet über den pädophilen katholischen Priester Peter H., der sich wiederholt an Kindern vergangen hatte.

Joseph Ratzinger stand Anfang der achtziger Jahre als Erzbischof an der Spitze des Ordinariats, das H. trotzdem erneut als Seelsorger einsetzte. Ratzinger habe persönlich die Sitzung geleitet, wo dies entschieden wurde. Die Kirche drängte den früheren Generalvikar Gerhard Gruber, die alleinige Schuld dafür zu übernehmen, um den Papst aus der Schusslinie zu nehmen. Gruber schreibt, er habe dafür eine vorformulierte Stellungnahme zugefaxt bekommen.

Nicht weniger empört sind viele Gläubige über die verlogene Taktiererei des extrem reaktionären Augsburger Bischofs Walter Mixa, dem ehemalige Heimkinder Misshandlungen vorwerfen und der nur scheibchenweise verschiedene "Erinnerungslücken" zu schließen scheint.

Geradezu infam ist, wie Kräfte der Kirchenführung versuchen, den Spieß herumzudrehen. Mixa suchte die sexuelle Aufklärung der 1968er-Bewegung für die kirchlichen Verbrechen verantwortlich zu machen. Entsetzte Reaktionen auch über "Ruhrbischof" Franz-Josef Overbeck, der in der Sendung "Anne Will" letzten Sonntag Homosexualität als widernatürlich und als menschliche Fehlentwicklung bezeichnete.

Die katholischen Kirchenführer sind der Hort der heuchlerischen Doppelmoral - und das seit Jahrhunderten. Papst Benedikt steht an der Spitze für eine extrem reaktionäre Richtung in der katholischen Kirche, die auch von vielen Katholiken heftig kritisiert wird. Benedikt provozierte Moslems, Juden, Ureinwohner Brasiliens mit erzreaktionärem Gerede. Er rückte keinen Zentimeter ab von den frauenfeindlichen Positionen der Kirchenführung, von ihrem Alleinvertretungsanspruch für die ganze Menschheit.

Der Tübinger Theologe Hermann Häring fordert vom Papst, er solle endlich aufhören, "das Ideal der Kirche in der Antike zu suchen". Die internationale Bewegung "Wir sind Kirche" schreibt in einer Erklärung: "Joseph Ratzinger, der seit fast drei Jahrzehnten die Verantwortung für die offizielle Gestalt der Glaubenslehre trägt, ist letztlich auch dafür verantwortlich, dass die Kirche in vielen Bereichen daran gescheitert ist, den Herausforderungen unserer Zeit gerecht zu werden."

In einem ausführlichen Artikel ("Moralischer Bankrott der Scheinheiligen") zieht die "Rote Fahne" 14/2010 Bilanz: "Man wünschte, es hätte nicht solche Opfer gegeben, um die alten Forderungen der Arbeiterbewegung nach der Trennung von Kirche und Staat, der Trennung von Kirche und Schule zu befördern." Weiter führte der Artikel aus, dass "mehr Menschen lernen, die Verantwortung für ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen und gemeinsam mit ihresgleichen für ein besseres Leben auf Erden statt im Jenseits einzutreten - frei nach dem Motto der 'Internationale': 'Es rettet uns kein höh'res Wesen, kein Gott, kein Kaiser, kein Tribun, uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun'."


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