Betrieb und Gewerkschaft

Kooperation von Daimler und Renault/Nissan: Kollegen misstrauen den "Beschäftigungszusagen"

Stuttgart (Korrespondenz), 29.04.10: Daimler will mit der Kooperation den Marktanteil im Kleinwagenbereich ausbauen, der gegenwärtig am ehesten wieder wachsende Verkaufszahlen und damit Maximalprofite verspricht. Um einer möglichen Unruhe in der Belegschaft oder gar einem Streik wie in Sindelfingen vorzubeugen, wurde dies über die Medien als "Beschäftigungssicherung" verkauft. Auch wurde jeder Kollege vom Vorstand per Brief informiert: Die Kooperation mit Renault/Nissan sei ein vorteilhafter Prozess für beide Belegschaften und man wolle keinesfalls die Belegschaften gegeneinander ausspielen.

Die Belegschaft ist höchst angespannt, weil die Mehrheit davon ausgeht, dass die Motorenproduktion in Untertürkheim trotz gegenteiliger Beteuerungen angegriffen wird und Arbeitsplätze massiv gefährdet sind. 

Auch die Betriebsratsspitze hat sofort reagiert und vom 14. bis 16. April außerordentliche Betriebsversammlungen durchgeführt. Dort wurde darauf orientiert, dem Unternehmen verbindliche Zusagen am Verhandlungstisch abzuringen. Ausdrücklich wurde keine Diskussion zugelassen, was viele empörte und für zusätzliches Misstrauen sorgte. Die Kritik am Weg des Verzichts wächst in der Untertürkheimer Belegschaft, was sich auch darin ausdrückt, dass bei der Betriebsratswahl die kämpferische bzw. klassenkämpferische Richtung deutlich zugelegt hat.

Diese soll nun wieder zurückgedrängt werden. So wurden die Vertrauensleute, die auf anderen Listen kandidiert haben, zu einem Gespräch bei der Vertrauenskörperleitung vorgeladen, weil die IG Metall eine Kandidatur auf "gegnerischen Listen" nicht akzeptieren könne. Es ist jedoch die IGM-Führung, die sich gegen die Interessen ihrer Mitglieder stellt, wenn sie derzeit jeden Kampf vermeiden will und an der Ausgrenzung von klassenkämpferischen Kräften und Marxisten-Leninisten festhält.