Politik

Über 10.000 Demonstranten gegen Abriss des Stuttgarter Hauptbahnhofs und "S21"-Projekt

Über 10.000 Demonstranten gegen Abriss des Stuttgarter Hauptbahnhofs und "S21"-Projekt
Demonstration gegen "Stuttgart 21" am 24. April

26.04.10 - "Absolutistische Herrscher wollen einen blitzenden Bahnhof nach Nirgendwo", las der Redner aus der Grußbotschaft des Schauspielers Walter Sittler vor. Dieser konnte selbst nicht kommen, dafür kamen aber am Samstag weit über 10.000 Demonstranten in den Stuttgarter Schlossgarten, um unter dem Motto "Unser Park – Unsere Stadt – Unsere Zukunft" gegen das Städtebauprojekt "Stuttgart21", kurz "S21", zu protestieren. Ihm soll der historische, denkmalgeschützte Kopfbahnhof zum Opfer fallen. Gegen "S21" hat sich die bundesweit größte kommunale Protestbewegung gebildet, die breite Schichten der Stuttgarter Bevölkerung erfasst ("rf-news" berichtete mehrfach).

Das hat Mitte Februar die "Stuttgarter Zeitung" zur Schlagzeile "In Pelz und Parka vereint im Protest" inspiriert. Die Gründe für den Protest sind vielfältig. Neben dem Verlust des historischen Kopfbahnhofs bedeutet "S21" den Ausbau der profitablen Hochgeschwindigkeitsstrecken. Der Nah- und Regionalverkehr würde darunter leiden. Die Durchführung von "S21" würde auch die Umwelt nachhaltig schädigen. Über 280 alte Platanen sollen im Schlosspark gefällt werden. Um ihre Sauerstoffproduktion zu ersetzen, müssten 30.000 neue Bäume gepflanzt werden.

"S21" zementiert die Abhängigkeit von Autos und Lkw's, was die Luft im Stuttgarter Talkessel weiter vergiften würde. Es ist daher interessant, dass in der Autostadt Stuttgart auch einzelne Gliederungen der Gewerkschaften den Protest unterstützen. Der Redner der IG Metall, Roland Hamm, bekam für seine kämpferische Rede, in der er unter anderem betonte, dass Umweltschutz Arbeitsplätze schaffe, kräftigen Beifall.

Aber ein ganz gewichtiger Grund ist für viele: 70.000 Stuttgarter haben sich gegen das "S21"-Projekt ausgesprochen. Bahn, Stadt und Land demonstrieren dagegen die "Arroganz der Macht", oder wie es die "tatsach'", Stuttgarter Stadtzeitung der MLPD, formuliert: "Dem entgegen werden die Kapitalinteressen unter anderem der großen, in Stuttgart ansässigen Konzerne diktatorisch durchgeführt."

Die MLPD beteiligte sich aktiv an der Demonstration. Eine wichtige Rolle spielten dabei unter anderem Auseinandersetzungen mit Vorstellungen, wie sie ein Redner auf den Punkt brachte: "Wir werden aus Stuttgart wieder eine demokratische Stadt machen." Tatsächlich werden nicht nur bei "S21", sondern in allen gesellschaftlichen Fragen die Bedürfnisse und Interessen der Masse der Menschen heute mit Füßen getreten. Das ist Ausdruck der herrschenden Diktatur der Monopole, die dazu grundsätzlich in Frage gestellt werden muss.

Die MLPD lud ein zu einer neuen Initiativgruppe unter dem Motto "Weg mit S21 – wir denken weiter als die Stadtspitze es erlaubt!" Ihr nächstes Treffen findet statt am Freitag, dem 7. Mai, 17.00 Uhr im Arbeiterbildungszentrum Süd, Bruckwiesenweg 10.

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