Umwelt

Umweltinferno im Golf von Mexiko

27.04.10 - Am 20. April explodierte im Golf von Mexiko eine hochmoderne, vom Öl-Multi BP betriebene Ölplattform. Von den 126 dort beschäftigten Arbeitern konnten 115 in letzter Minute gerettet werden, 17 davon teilweise schwer verletzt. Elf Arbeiter sind verbrannt oder ertrunken. Die Suche nach ihnen wurde nach zwei Tagen eingestellt. Seit der Explosion entfaltet sich 50 Kilometer vor der US-amerikanischen Küste eine gigantische und in ihren Auswirkungen noch gar nicht abzuschätzende Umweltkatastrophe.

160.000 Liter Öl sprudeln seitdem täglich aus dem in gut 1.600 Metern Tiefe gelegenen Bohrloch und einer Leitung, die zu der zerfetzten Plattform geführt hatte.

Alle Versuche, mit Tauchrobotern das Bohrloch zu schließen, sind bislang gescheitert. Wegen des hohen Seegangs können noch nicht einmal die Schiffe auslaufen, die den sich rasant ausbreitenden Ölteppich eindämmen sollen. Satellitenfotos zeigen, dass der Ölteppich bereits 4.700 Quadratkilometer groß ist. Das ist fast das Doppelte der Fläche des Saarlands.

Umweltschützer warnen seit Jahrzehnten vor den Gefahren der Ölförderung in der Tiefsee. "Dazu ist ein Grenztechnologie erforderlich, die so hoch spezialisiert ist, dass sie eigentlich nur mit der Raumfahrt zu vergleichen ist", sagt der Biologe und Ölexperte von Greenpeace, Dr. Christian Bussau. Das Risiko ist nahezu unkalkulierbar. Allein auf den Plattformen im Golf von Mexiko hat die amerikanische Aufsichtsbehörde seit 2006 rund 500 Brände registriert, weil es immer wieder zu Verpuffungen kommt. 1969 war es schon einmal ausgehend von einer Ölplattform zu einer verheerenden Ölpest vor Santa Barbara in Kalifornien gekommen.

Seitdem hatten kämpferische Umweltschützer strengere Auflagen für die Tiefseebohrungen durchgesetzt. Aber die Jagd nach Höchstprofiten bei gerade wieder steigende Ölpreisen lässt die Ölmultis alle Warnungen in den Wind schlagen. BP als drittgrößter Ölmulti der Welt hat für das erste Quartal 2010 dank der hoch getriebenen Ölpreise seinen offiziell ausgewiesenen Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 135 Prozent auf 5,6 Milliarden US-Dollar (4,2 Milliarden Euro) gesteigert.

Erst vor wenigen Wochen hatte US-Präsident Obama die Auflagen für die Beschränkungen der Ölförderung in den Küstengewässern aufgehoben. Dafür hatten sich die Ölmultis seit Jahren stark gemacht mit der Behauptung, mit neuen Technologien sei die Ölförderung auch auf hoher See und in großen Tiefen sicher. Das Inferno im Golf von Mexiko straft sie Lügen.

Schon mit einem Teil der Investitions- und Forschungsgelder, die heute in das unverantwortliche Festhalten an der Verbrennung fossiler Energieträger fließen, könnte die Nutzung erneuerbarer und zudem sicherer Energiequellen umfassend ausgebaut werden. Das wäre ein wichtiger Beitrag, um den Übergang in eine globale Umweltkatastrophe zu stoppen. Sofortforderungen in dieser Richtung können nur in einem weltumspannenden aktiven Widerstand durchgesetzt werden.

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