Politik

München: Gedenkveranstaltung zur faschistischen "Bücherverbrennung"

München: Gedenkveranstaltung zur faschistischen "Bücherverbrennung"

München (Korrespondenz), 11.05.10: "Wie das Gras über die Geschichte wächst" - unter diese provokanten Titel initiiert seit Jahren der Münchner Künstler Wolfram Kastner Aktionen, um an die Bücherverbrennung, welche die Hitler-Faschisten am 10. Mai 1933 am Königsplatz veranstalteten, zu erinnern. Auf einem Scheiterhaufen wurde damals die Werke von so bekannten Autoren wie Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud, Erich Kästner, Irmgard Keun, Heinrich Mann, Erich Mühsam, Erich Maria Remarque, Anna Seghers, Ernst Toller, Kurt Tucholsky, Arnold Zweig und Stefan Zweig verbrannt.

1988 ließ die Landeshauptstadt den Königsplatz, der von den Faschisten zu einem Aufmarschplatz umfunktioniert wurde, in seinem ursprünglichen Zustand wieder herstellen. Die Platten wurden gegen Rasen ausgetauscht. So kann man über die Geschichte und die Erinnerung Gras wachsen lassen und das Image der damaligen "Hauptstadt der Bewegung" glätten. Einen Hinweis, dass hier das Schaffen fortschrittlicher Literaten vernichtet werden sollte, sucht man vergebens.

In den 1990er Jahren initiierte W. Kastner eine symbolische Bücherverbrennung, indem er einen Brandfleck in den Rasen brannte zur Mahnung und Erinnerung an die Bücherverbrennung. Mit Verboten und Rechnungen für die Instandsetzung der Rasenfläche versuchte man ihn einzuschüchtern. Sein zäher Kampf zeigt heuer Früchte.

Die SPD-Stadtspitze kann sich wohl dem Linkstrend nicht mehr ganz entziehen. Sie unterstützte die Aktion und über 100 Teilnehmer - davon sehr viele Schüler - nahmen an der Lesung zum Gedenken an Bücherverbrennung Teil. Viele Vortragenden ließen es sich nicht nehmen, darauf hinzuweisen, auch heute lieber den Versprechungen der Politiker nicht zu glauben.