Politik

Ärztestreik: "Wir kämpfen auch um Neueinstellungen und für unsere jungen Kollegen"

18.05.10 - Seit Montag sind 15.000 im "Marburger Bund" organisierte Ärzte an kommunalen Krankenhäusern in einen unbefristeten Streik getreten. Am ersten Streiktag wurde in Bayern, Baden-Württemberg sowie Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen zum Teil jede zweite Klinik bestreikt. In den nächsten Tagen sollen immer mehr Hospitäler einbezogen werden. Dort werden dann wie an Wochenenden und Feiertagen nur noch Notfälle behandelt. Der "Marburger Bund" fordert für die 55.000 Mediziner eine Gehaltssteigerung um durchschnittlich fünf Prozent und eine Erhöhung der Entgelte für Bereitschaftsdienste in der Nacht sowie an Wochenenden und Feiertagen.

Die "Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA)" hatte eine Steigerung der Bezüge um 2,9 Prozent bei 33 Monaten Laufzeit angeboten. In weißer Arbeitskleidung, mit Trillerpfeifen und Transparenten, zogen rund 5.000 Mediziner aus der gesamten Bundesrepublik vom Münchner Hauptbahnhof zum Stachus. Die Ärzte fordern nicht nur höheres Entgelt, sondern auch Neueinstellungen. Schon jetzt gebe es in den Krankenhäusern 5.000 unbesetzte Stellen. In den nächsten fünf Jahren müssten weitere 8.000 frei werdende Stellen besetzt werden, so ein Vertreter des "Marburger Bundes".

Kaum hat der Streik begonnen, wird in den bürgerlichen Medien eine Hetze gegen die Streikenden entfaltet. Ein zu hoher Tarifabschluss könnte den Betriebsfrieden zwischen den Ärzten und den deutlich schlechter bezahlten Pflegern und Assistenten gefährden. Sollen sie halt letztere für ihre mühevolle Arbeit besser entlohnen! Und ein so genannter "Gesundheitsökonom", Professor Stefan Greß aus Fulda, behauptet, die geforderte Tariferhöhung könne die Existenz der kommunalen Krankenhäuser gefährden und sie in die roten Zahlen treiben, was die "Privatisierung" vorantreiben würde.

Das stellt jedoch die Tatsachen auf den Kopf: "Die Hersteller medizinischer Geräte, die eng mit Pharmakonzernen verflochten sind, Versicherungen und eine wachsende Zahl weiterer Anbieter drängen auf weitgehende Privatisierung und weltweite Öffnung der Dienstleistungen in diesem Bereich." ("Götterdämmerung über der 'neuen Weltordnung'", S. 317). Sie sehen hier profitable Anlagemöglichkeiten für ihr überschüssiges Kapital.

Ein leitender Oberarzt aus einer Klinik im Hamburger Raum erklärt gegenüber "rf-news": "Die Belastungen durch ständige Bereitschaftsdienste werden immer extremer, teilweise arbeiten wir 60 Stunden in der Woche, weil viele Ärztestellen so wie bei den pflegerischen Berufen nicht besetzt werden. Ein Assistenzarzt fängt nach bis zu zehn Jahren Ausbildung mit 3.600 Euro brutto im Monat an. Er muss in dieser untersten Gehaltsgruppe bleiben, bis er die Qualifikation als Facharzt hat. Es ist aber immer schwieriger, im Krankenhaus Facharzt zu werden. Wir kämpfen auch für diese jungen Kollegen."