Betrieb und Gewerkschaft

Nach sieben Jahren Kampf: Ulrich Schirmer wieder bei Porsche

Nach sieben Jahren Kampf: Ulrich Schirmer wieder bei Porsche
Ulrich Schirmer (Foto: Arbeiterfotografie, Thomas Trueten)

21.05.10 - "Wer hätte gedacht, dass du wieder in den Betrieb kommst. Viele dachten, das schafft der Uli nie, 'die da oben' sitzen doch am längeren Hebel, schön, dass du wieder da bist!" So begrüßten Kollegen Ulrich Schirmer, als er am 19. April nach sieben langen Jahren des Kampfes gegen seine politisch motivierte Entlassung wieder in den Betrieb kam. Die Porsche-Chefs und ihre "hochkarätigen" Rechtsanwälte mussten die weiße Fahne der Kapitulation hissen. Ex-Porsche-Chef Wiedeking, der einst vollmundig erklärte, "der kommt hier nie wieder rein", musste selbst gehen und bekommt nun Besuche von der Staatsanwaltschaft wegen illegalen Börsenspekulationen in Höhe von 16 Milliarden Euro (siehe auch Berichte vom 8. Februar und 12. Februar).

Als kämpferischer IG-Metall-Vertrauensmann hatte er sich gemeinsam mit anderen Kollegen für den gemaßregelten Roberto Kyas eingesetzt. Gemeinsam mit anderen Kollegen und Freunden wurde der Solidaritätskreis gegen die Maßregelung von Roberto Kyas gegründet und Ulrich Schirmer erklärte sich sofort bereit, seinen Namen als Kontaktadresse zur Verfügung zu stellen - was ihm ebenfalls die Kündigung einbrachte.

Der eigentliche Hintergrund dafür war, dass in der Metalltarifrunde 2002 das sogenannte "Bündnis für Arbeit" scheiterte. Kämpferische Initiativen aus Metallbetrieben im Raum Stuttgart und insbesondere bei Porsche hatten maßgeblichen Anteil daran. Porsche machte sich daran, die kämpferischen Kräfte hinauszusäubern. Sie wollten Ruhe im Betrieb - und sind damit gescheitert!

Beigetragen hat dazu die vom Solidaritätskreis systematisch organisierte Solidarität und die über die Jahre immer breiter werdende Solidaritätsbewegung. Der Porsche-Skandal wurde in zahlreichen Betrieben und gewerkschaftlichen Gremien sowie der Öffentlichkeit bekannt gemacht, Kollegenzeitungen berichteten darüber und schließlich in den letzten Monaten auch verstärkt die bürgerliche Presse.

Mehr denn je herrscht nun Unruhe in der Belegschaft. Eine wachsende Zahl von Kollegen meint: "Heute Daimler – morgen Porsche." Durch die neue Lackiererei und Überlegungen, den Boxter nach Osnabrück zu verlagern, werden Arbeitsplätze vernichtet, die Übernahmegarantie für die Azubis wurde gestrichen.

Daimler-Betriebsrat Volker Kraft gegenüber "rf-news" zum Erfolg von Ulrich Schirmer: "Ein Arbeiter, der ungerecht behandelt wird, kann mit weltweiter Solidarität rechnen. Uli wurde politisch gekündigt, weil er die Solidarität mit einem gemaßregelten Kollegen organisierte. Sein lang andauernder Kampf mit allen Höhen und Tiefen macht allen Arbeitern Mut!"

Der Solidaritätskreis lädt zu einem Solidaritätsfest am Sonntag, den 20. Juni, ab 14.00 Uhr im Sportrestaurant Stuttgart-Neuwirtshaus herzlich ein.

(mehr dazu in der neuen Druckausgabe der "Roten Fahne" - sie kann hier bestellt werden)