Politik

40 Prozent mehr Krankmeldungen infolge psychischer Erkrankungen als vor zehn Jahren

29.05.10 - Am Donnerstag veröffentlichte die Technikerkrankenkasse (TK) in Berlin ihren Gesundheitsreport 2010. Die TK schreibt darin unter anderem: "Die Auswertungsergebnisse sprechen insgesamt für die Annahme einer zunehmenden psychischen Belastung von Erwerbspersonen, die sich insbesondere nach 2006 verstärkt auch bei Berufstätigen bemerkbar gemacht hat. In diesem Kontext läst sich als Ursache ein verstärkter Druck am Arbeitsplatz … vermuten, der im Zuge der Umsetzung der Hartz-IV-Regelungen verschärft worden sein dürfte."

Damit wird erstmals ein direkter Zusammenhang zwischen der Zunahme psychischer Erkrankungen und der Wirtschaftskrise bzw. der Regierungspolitik der letzten Jahre von einer Krankenkasse hergestellt. Der Report zeigt, dass seit 2006 die Krankenstände wieder zunehmen - obwohl viele Menschen aus Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes eine Krankschreibung so kange wie möglich hinauszögern!

2009 betrug die durchschnittliche Fehlzeit bei TK-Versicherten 12,11 Tage (+5,6 Prozent gegenüber 2008). Wesentlichen Anteil daran hat die Zunahme psychischer Erkrankungen mit häufig langen Fehlzeiten. Im Zehnjahresvergleich haben sich die Fehlzeiten infolge psychischer Erkrankungen somit mehr als verdoppelt. Arbeitslose sind von psychischen Problemen noch stärker betroffen als Berufstätige.

Auch im Bundesgesundheitsministerium ist bekannt, dass die psychischen Erkrankungen inzwischen an zweiter Stelle stehen, nach den Muskel- und Skeletterkrankungen. Doch dort beliebt man Vergleichszahlen von 1995 heranzuziehen, um zur Feststellung zu kommen: "Demnach fehlten Arbeitnehmer …  vor zehn Jahren noch 20 Prozent häufiger als im ersten Jahresviertel 2010. Grund dafür sei neben dem Rückgang industrieller Arbeit auch eine verbesserte Gesundheitsvorsorge in den Betrieben." Dies ist eine bewusste Verdrehung der Tatsachen.

Hintergrund der Zunahme psychischer Erkrankungen ist die gesamte krisenhafte Entwicklung in der kapitalistischen Gesellschaft, nicht nur die Finanz- und Wirtschaftskrise. Drohende Umweltkatastrophe, demütigende Hartz-IV-Gesetze und die ganzen Belastungen infolge der Krise der bürgerlichen Familienordnung machen Menschen krank. In den Betrieben wird die Ausbeutungsoffensive verschärft, zugleich findet eine wahre Jagd auf unliebsame Leute statt.

Dies geht einher mit Einschüchterungsversuchen von politisch und gewerkschaftlich aktiven Menschen mit Rechtsabbau und einem Netz von subtilem Mobbing gegen Beschäftigte. Hinzu kommen die verschiedenen "Gesundheitsreformen" der Regierung, die im Auftrag der Monopole die bisherige paritätische Finanzierung zerschlagen und die Kosten auf die Massen abwälzen.

Eine Gesundheitsmaßnahme ist daher auch bei psychischer Erkrankung: Neben einer individuell eingestellten Therapie die aktive Teilnahme entsprechend den gesundheitlichen Möglichkeiten am Kampf der Massen gegen die Folgen der Krise und für eine menschenwürdige Zukunft.