Umwelt

Bonn: Über 2.000 Umweltaktivisten machen die "Klimawelle"

06.06.10 - Das Wochenende war von vielen kämpferischen Aktionen zur Rettung der Umwelt geprägt. Rund 300 überwiegend junge Umweltaktivisten trafen sich zum "Klimaforum Bonn" am 3./4. Juni. Am Samstag, den 5. Juni, demonstrierten dann ca. 2.000 Menschen durch die Bonner Innenstadt. Die Demonstration wurde vom Aktionsbündnis "Klimawelle" organisiert. MLPD und REBELL nahmen aktiv daran teil.

Hunderte von Jugendlichen entwickelten im "Klimacamp" und auch in der "Aktionsakademie" von ATTAC große Kreativität, bauten Großpuppen, entwickelten Straßentheater, Trommelgruppen und führten eine Blockadeaktion vor dem Maritim-Kongresszentrum durch. Beim "Klimaforum" waren die Koordinierungsgruppe Umweltratschlag und die Bürgerbewegung für Kryorecycling, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz mit einem Infostand und einem Workshop vertreten. Der bolivianische Botschafter Pablo Solon überbrachte dem "Klimaforum" seine Grüße und Solidarität.

Gleichzeitig haben am 3. Juni 600 und am 4. Juni 200 Menschen in Berlin wirkungsvoll gegen die Atomverhandlungen von "Schwarz/Gelb" demonstriert. In Gorleben wurde am 5. Juni zum 30. Jahrestag der Hüttendorfräumung der "Freien Republik Wendland" die Endlagerbaustelle umzingelt. 1.000 Polizisten waren zur "Verteidigung" erschienen, nachdem die Baustelle in der jüngsten Vergangenheit mehrfach gestürmt worden ist.

In Bonn findet zur Zeit die UNO-Weltklima-Zwischenkonferenz statt. Dort soll nach dem Scheitern der Kopenhagen-Konferenz auf "diplomatischer Ebene" ein neuer "Verhandlungsweg" gefunden und die nächste Weltklimakonferenz im Dezember in Cancun (Mexiko) vorbereitet werden. Diese Bonner Konferenz ist ein erneuter Versuch, das Diktat der führenden G20-Gruppe unter den Industriestaaten gegenüber den Völkern der Welt durchzusetzen. BP demonstriert am Golf von Mexiko stellvertretend für alle internationalen Energiekonzerne, dass sie für Maximalprofit über Leichen gehen.

Bei den Umweltaktivitäten in Bonn konnte man überall die Verbreitung der populären Parole spüren: "Ändert das System und nicht das Klima!"

Ein Sprecher der mit einem Sonderzug angereisten belgischen Demonstranten, darunter viele Gewerkschafter, sagte auf der Kundgebung: "Die Lage hat sich so dramatisch entwickelt, dass Klima und Kapitalismus nicht mehr gemeinsam auf diesen Planeten passen - eines von beiden muss gehen." Er verwahrte sich gegen die Verzichtsparolen der EU-Regierungen, dass die Arbeiter auf Löhne und Arbeitsplätze verzichten sollen als "Beitrag zur Bewältigung der Krise" und wies nach, dass dies für die Rettung der Umwelt keinerlei Nutzen bringt.

Auf dem Klimaforum berichteten viele Aktivisten lebendig aus der Praxis des täglichen Kampfs. Die regierenden Politiker ignorieren den Volkswillen. Sie respektieren nicht mal Gerichtsurteile und ändern Gesetze nach Belieben. Dafür stehen die Auseinandersetzungen um das Kohlekraftwerk Datteln und die Laufzeitverlängerungen für AKWs. Angesichts dessen wurde auf die Notwendigkeit und Legitimation des aktiven Widerstandes hingewiesen.

Morgen, am 7. Juni, erscheint bis spätestens 14 Uhr an dieser Stelle der Aufmacher zu den massiven Angriffen, die laut Pressemeldungen das Bundeskabinett auf seiner Klausurtagung heute beschlossen hat.