Politik

Bildungsdemo in Berlin: Großes Interesse an Auseinandersetzungen über Kapitalismus und Sozialismus

Bildungsdemo in Berlin: Großes Interesse an Auseinandersetzungen über Kapitalismus und Sozialismus
Bildungsprotest in Berlin

Berlin (Korrespondenz), 10.06.10: Rund 3.000 Schüler, Studierende und auch einige gewerkschaftlich organisierte Azubis zogen beim Berliner Bildungsprotest-Tag am 9. Juni lautstark durch die Berliner Mitte. Das waren deutlich weniger als im Vorjahr. Offenbar wirkte hier eine bestimmte Resignation, dass die massenhaften Bildungsproteste 2009 so wenig praktisch verändert haben. Trotzdem bleiben die Bildungsproteste hartnäckig. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!" war die häufigste Sprechparole.

Öfter war die Kritik zu hören, dass die letztjährigen Bildungsproteste von der Linkspartei bzw. ihrem Studentenverband SDS vereinnahmt worden wären. Zugleich war eine spürbar größere Offenheit für Auseinandersetzungen über Kapitalismus, Sozialismus und Kommunismus zu verzeichnen. Fast zwei Dutzend verschiedene linke politische Organisationen waren sichtbar mit Fahnen vertreten. Auch ein Lautsprecherwagen der IG-Metall-Jugend, sowie Fahnen von Verdi und der GEW.

Besonders viele Schüler und junge Studenten – zum großen Teil couragierte junge Frauen - waren vorbehaltlos interessiert an der Kapitalismuskritik von REBELL und MLPD. 19 Broschüren des REBELL "Über die Ursachen der Weltwirtschaftskrise" wechselten den Besitzer, ebenso, meistens gegen eine Spende, 140 Exemplare von "Galileo", der gemeinsamen Zeitung der Hochschulgruppen der MLPD und der Schüler- und Studentengruppen des REBELL.

Auch an der bevorstehenden Demonstration am 12. Juni gegen die Regierungspolitik gab es viel Interesse. Eine ganze Reihe von Leute gaben ihre Adresse und wollen zu einer REBELL-Gesprächsrunde über die Zusammenhänge von Weltwirtschaftskrise, Bildungskrise, Kapitalismus und Sozialismus eingeladen werden, einige hatten unmittelbar auch Interesse an einer REBELL-Mitgliedschaft.

Trotz aller Kapitalismus-Kritik gibt es allerdings noch viele Illusionen in "die Politik" oder in einer "Dritten Weg" zwischen Kapitalismus und Sozialismus. In diesem Sinne waren die gestrigen Diskussionen und die daraus entstandenen organisierten Verbindungen das vielleicht wichtigste Ergebnis der Bildungsproteste.

Weitere Korrespondenzen und Berichte kamen noch aus Münster, Tübingen und Saarlouis (siehe auch "Thema des Tages" von gestern)