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Henning Mankell: "Der schlimmste Terrorist ist in diesem Fall Israel"

Berlin (Korrespondenz), 11.06.10 - In einem detaillierten Tagebuch schildert der Krimiautor Henning Mankell seine Erlebnisse an Bord des von israelischen Soldaten angegriffenen Gaza-Hilfskonvois.

"Die Soldaten sind ungeduldig und wollen uns unten an Deck haben. Als jemand sich zu langsam bewegt, bekommt er sofort eine elektrische Pistole gegen den Arm. Er fällt", schreibt Mankell in dem Reisetagebuch, das der „Stern“ gestern veröffentlichte. "Ein anderer Mann, der sich auch langsam bewegt, wird mit einer Gummikugel beschossen", schreibt Mankell weiter.
Mankell war einer von 700 Aktivisten an Bord von sechs Schiffen, die 10.000 Tonnen Hilfsgüter nach Gaza bringen und damit Israels Boykott des schmalen Landstreifens brechen wollten. Israelische Militärs stoppten den Konvoi, ermordeten neun Menschen an Bord des Schiffs Mavi Marmara und nahmen alle anderen gefangen.
Im „Stern“ tritt Mankell Behauptungen entgegen, von palästinensischen Fundamentalisten missbraucht worden zu sein: "Ich fühle mich in keiner Weise benutzt. Niemand benutzt mich. Ich wusste genau, was ich tat." Das Fazit der Solidaritätsaktion ist für ihn klar: "Der schlimmste Terrorist in diesem Fall ist Israel", sagte er. "Ich würde jederzeit wieder mitfahren", sagte Mankell zuvor bei der Pressekonferenz. Das kleine Schiff "Sophia", auf dem er sich aufhielt, hatte Zement, Baumaterial und Fertigteile an Bord.