Umwelt

Ölkatastrophe: BP lügt, betrügt, zensiert

16.06.10 - Nach wie vor ist die am 20. April 2010 mit einer Explosion auf einer BP-Ölförderplattform im Golf von Mexiko ausgelöste größte Ölkatastrophe außer Kontrolle. Bei einer zur Zeit laufenden Anhörung vor dem US-Kongress wird immer offenkundiger, mit welch krimineller Energie BP aus purer Profitgier auch durchaus übliche Sicherheitsmaßnahmen unterlaufen und diesen Super-GAU der Ölförderung regelrecht provoziert hat. Es wurden interne Dokumente vorgelegt, wonach Experten schon elf Monate vor der Explosion vor gravierenden Sicherheitsmängeln warnten.

Anfang April stellte das Management fest, dass man sechs Wochen hinter dem Zeitplan zurückliege, was BP Tag für Tag eine Halbe Million Dollar Verluste einbringe. Damit wurde immenser Druck aufgebaut. Am 15. April – fünf Tage vor der Explosion – wurde entschieden, statt eines doppelten nur ein einfaches Stahlrohr am Ende des Bohrlochs, fünf Kilometer unter dem Meeresboden, zu installieren. Das „spare“ dem Konzern sieben bis zehn Millionen Dollar und drei Tage Arbeit. Am 16. April – vier Tage vor der Explosion – wurde ein Betonmantel im Bohrloch gegossen, in den das Förderrohr mit Abstandhaltern stabilisiert werden sollte. Die beauftragte Firma empfahl 21 so genannte „Centralizer“. BP entschied, sich mit sechs solchen Abstandshaltern zu begnügen, weil weitere vom Land her hätten eingeflogen werden müssen, was zehn Stunden länger gedauert hätte. Daraus entstehende „ernsthafte Gasflussprobleme“ wurden ignoriert. Auf Sicherheitstests wurde gänzlich verzichtet, dafür bereits auf der Plattform eingeflogene Fachleute wieder nach Hause geschickt. Eine Woche vor der Explosion sprach ein Mitarbeiter in einer firmeninternen Email bereits von einer „Ölquelle des Alptraums“.

Während BP-Chef Tony Hayward ganzseitige Zeitungsanzeigen schalten lässt: „Wir werden es wieder in Ordnung bringen“ und in einem Fernsehclip, der allein 50 Millionen Dollar gekostet hat, sein „tiefes Bedauern“ ausspricht, sorgen seine Leute dafür, dass die Presse rigoros zensiert wird. Journalisten dürfen die Unglücksstelle nicht überfliegen, freiwilligen Helfern wird der Zugang zu den verseuchten Stränden versperrt. „Sie wollen keine Bilder von den verendeten Tieren und vom Ausmaß der Katastrophe“. Mit Drohgebärden versucht der mehrfach angereiste US-Präsident Obama über seine Hilflosigkeit gegenüber den mächtigen Ölmultis hinwegzutäuschen. Statt weltweit Fachleute und Wissenschaftler zu mobilisieren, wird weiterhin den Verursachern – also BP - das (Mis)management der Krise überlassen.

Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen und hinter Schloss und Riegel gebracht werden! Das BP-Vermögen muss beschlagnahmt werden, um die Schäden soweit wie möglich zu beheben!
Alle Tiefseebohrungen müssen sofort gestoppt werden!
Die Umstellung auf erneuerbare Energieträger und der Verzicht auf Öl, Kohle und Atom muss durchgesetzt werden – sofort!

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