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Südafrika: "Probleme sind viel größer als die Weltmeisterschaft"

16.06.10 - Weltweit gibt es natürlich große Begeisterung für die derzeitige Fußball-Weltmeisterschaft. Was allerdings hinter den beeidruckenden Fassaden der neuen Stadien los ist, ist weniger bekannt.

In Südafrika wurden offiziell fast eine Million Arbeiter während der Wirtschaftskrise im letzten Jahr entlassen. Die Löhne sind teilweise extrem niedrig, die Arbeitsbedingungen miserabel. Die Regierung versucht, mit Hinweis auf den "sozialen Frieden" während der WM, Streiks zu verhindern bzw. auch offen zu unterdrücken. 1,3 Millionen Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes wurden zu einer Vereinbarung gedrängt, bis zum WM-Finale am 11. Juli nicht für ihre Forderung nach 11 Prozent mehr Lohn zu streiken.
Diese Art der "Befriedung" ist allerdings sehr umstritten. So erklärte die Bergarbeitergewerkschaft NUMSA: "Die Probleme von Millionen unserer Arbeiter und unserer Armen sind viel größer als die Weltmeisterschaft. Sie werden ihren existentiellen Kampf für zum Leben reichende Löhne niemals dem Ziel unterordnen, dass Besucher unseres Landes einen friedlichen Eindruck bekommen." (Reuters, 9.6.10)
Verschiedene Gewerkschaften und Belegschaften nutzen die Situation: Ein drei Wochen langer Streik bei Eisenbahnen und Häfen im Mai für höhere Löhne wurde nach der Zusage einer Lohnerhöhung beendet. Auch im Bereich verschiedener Fußball-Stadien gab es in dieser Woche Streiks: Security-Leute der Stadien in Kapstadt und in Durban streikten um Lohn, es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, die Tränengas und Gummigeschosse auf die Demonstrierenden feuerte. In Johannesburg streikten Busfahrer der neuen Schnellbusse für Fußball-Fans, auch da ging es um die Löhne.
Südafrika ist eben mehr als die Fußball-WM: ein Land mit einer starken, kämpferischen Arbeiterklasse.