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Auch bei Fiat Erpressungsmanöver gegen die Belegschaft

25.06.10 - Trotz monatelangem Trommelfeuer von Schließungsdrohungen, Spaltungsversuchen und Erpressungen stimmten am Dienstag fast 40 Prozent der rund 5.200 Beschäftigten des Fiat-Werkes in Pomigliano bei Neapel gegen die Pläne der Geschäftsleitung, massiv die Produktionskosten zu Lasten der Beschäftigten zu senken. Auch die Kollegen, die jetzt nach monatelangen Kämpfen diese Pläne akzeptiert haben, sind wütend. Sie erklärten der Presse vor dem Werk: “Wir haben zugestimmt, weil wir die Nase voll haben. Einige von uns werden trotz der Versprechungen, jetzt den Panda hier zu produzieren, mindestens die nächsten zwei Jahre arbeitslos sein.“

Nach dem Beschluss, das Fiat-Werk in Termini Imerese 2011 zu schließen, drohten die Fiat-Bosse auch mit der Schließung des Werkes in Pomigliano. Die Belegschaft müsse „einstimmig“ akzeptieren, die Arbeitszeit auf drei Schichten von jeweils acht Stunden zu verlängern, die Arbeitspause von 40 auf 30 Minuten zu verkürzen, jährlich pro Mann bis zu 80 Überstunden zu leisten, und Sonderregelungen im Krankheitsfall streichen zu lassen. Zugelassen werden soll auch, dass die Bewegungen aller Kollegen mit Hilfe eines Informatik-Systems ständig kontrolliert werden, um Leerlauf zu vermeiden. Die Belegschaft soll außerdem zusagen, nicht mehr zu streiken. Durch diese Maßnahmen sollen in Pomigliano 25 Autos pro Tag mehr als bisher hergestellt werden. Der Turiner Konzern drohte, andernfalls werde die Produktion des neuen „Panda“ im polnischen Tychy bleiben oder nach Serbien verlegt. „Das Panda-Modell ist bisher in Polen produziert worden. ... Ich kann eine ganze Liste von EU-Ländern nennen, die Schlange stehen, damit wir bei ihnen den neuen Panda produzieren“, erklärte Fiat-Chef Marchionne unverfroren. Nach dem Motto: Überlebt Pomigliano, stirbt eben Tychy. Bleibt Tychy, stirbt eben Kragujevac in Serbien usw.

Bis 2014 will Fiat weltweit zehn neue Automodelle auf den Markt bringen. Die Produktion in Italien soll auf 900.000 Autos pro Jahr klettern. Dabei lasten die Autokonzerne in der EU nach Angaben von Marktforscher „Ward's“ derzeit ihre Werke nach wie vor wegen weltweiten Absatzmangels nur zu 65 Prozent aus. Fiats Versuche, durch Erpressung der Belegschaft den Profit weiter zu steigern und die konkurrierenden Monopole zu überflügeln, ähneln frappierend den Plänen von General Motors mit Opel in Europa: Während einige Werke geschlossen werden, sollen in den anderen die Belegschaften auf Lohn verzichten und eine unerträglich wachsende Arbeitshetze hinnehmen. Das ist nicht nur in der Autobranche der Fall.

Für die Arbeiter ist die Unterordnung unter den Konkurrenzkampf der kapitalistischen Monopolbetriebe keine Lösung. Nur durch den Zusammenhalt über Konzern- und Ländergrenzen hinweg, nur in einem gemeinsamen Kampf aller Arbeiter für den Erhalt der Arbeitsplätze auf Kosten der Profite und für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen kann diese verhängnisvolle Spirale nach unten durchbrochen werden. Dieser Geist des gemeinsamen Kampfes ist auch unter den Fiat-Arbeitern lebendig. Schon am vorigen Freitag hatte ein Teil der Fiat-Belegschaft in Turin aus Solidarität mit der Belegschaft in Pomigliano gegen die Erpressung Marcionnes gestreikt. Und am Dienstag waren die 1.400 Arbeiter des Fiat-Werks im sizilianischen Termini Imerese unangemeldet für zwei Stunden in den Streik getreten gegen die Schließungspläne ihres Werkes.

Ob in Pomigliano nach der Abstimmung die von der Unternehmensleitung ersehnte Ruhe einkehrt? Die größte der fünf im Werk vertretenen Gewerkschaften, die FIOM, hat die Fiat-Belegschaft zu einem achtstündigen Streik am 25. Juni gegen die Forderungen der Konzernführung aufgerufen. Das würde zusammenfallen mit dem vom italienischen Gewerkschaftsverband CGIL geplanten Generalstreik gegen das so genannte „Sparpaket“ der Berlusconi-Regierung ...