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Sensationelles Viertelfinalspiel Argentinien - Deutschland

04.07.10 - Millionen an den Fernsehern trauten ihren Augen nicht. Die junge noch relativ unerfahrene deutsche Mannschaft führte nach wenigen Minuten 1:0 gegen die als heiße Titelfavoriten gehandelte "Celeste" der Argentinier. Am Schluss stand es 4 : 0 und der Sieg war verdient. Es war ein Spiel, das sicher zu den legendären in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften gehören wird. Etwa wie der überraschende Sieg des krassen Außenseiters Deutschland gegen den haushohen Favoriten Ungarn 1954. Oder wie das der jungen brasilianischen Himmelstürmer mit dem damals 17-jährigen Pele, die 1958 in Stockholm einen Zauberfußball auf dem Rasen hinlegten.

Ein Konzept ist aufgegangen, eine junge Mannschaft zu formen und zugleich erfahrenen Spielern, die in ihren Vereinsmannschaften schwächelten bzw. dort nicht mal zum Zug kamen, das Vertrauen zu schenken. Darin ist die deutsche Nationalmannschaft dem Lehrmeister Argentinien gefolgt. Denn es gehörte zu Maradonas Konzept, den Spielern das Vertrauen zu schenken.

Der von 1977 bis 1982 als Nationalspieler eingesetzte Klaus Fischer meinte kurz vor dem Spiel noch im Gespräch mt "rf-news": "Es wird sicher viele Tore geben." Hinterher gestand er, dass er es so natürlich nicht erwartet hatte. Bernhard Dietz, selbst 53-facher Nationalspieler und später Trainer und Fussball-Lehrer für Jugendtalente, war vor allem von den jungen Spielern Müller und Özil begeistert. Er drückte die Hoffnung - und auch ein bisschen die Besorgnis - aus, dass es nicht schon der Höhepunkt ihrer Laufbahn ist. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell Spieler, die rasant ins Rampenlicht kamen, hinterher verheizt wurden oder abhoben.

Beide ehemalige Cracks wunderten sich, warum die mit großartigen Spielern besetzte argentinische Mannschaft es nicht schaffte, das Ruder herumzureißen und, statt immer in die Mitte zu spielen und sich festzubeißen an einer sehr gut stehenden deutschen Abwehr, ein Flügelspiel aufzuziehen.

Das Spiel war ausgesprochen fair und die vorher von manchen Boulevardblättern in die Welt gesetzten Orakel, dass "der Argentinier" nun mal nicht verlieren könne und schnell ausrastet, erwiesen sich als gescheiterter Versuch, nationalistische Stimmung anzuheizen. Der bekannte ehemalige TV-Fussballreporter Werner Hansch meinte nach dem Spiel etwas ironisch: "Nun hat ja unsere Kanzlerin wenigstens auch mal ihr Erfolgserlebnis gehabt."

Beim Sommerfest in und vor der "Horster Mitte" in Gelsenkirchen und beim Fest der MLPD in Frankfurt (siehe "rf-news"-Bericht) herrschte auch ausgelassene Stimmung wie insgesamt bei den Public-Viewing-Veranstaltungen. Die vielen Schalke-Fans in Gelsenkirchen waren mächtig stolz auf "ihren" Keeper Manuel Neuer. 

"rf-news" hat auch unsere Genossinnen und Genossen aus Argentinien kurz vor dem Spiel telefonisch interviewen können. Susana von der PCR Argentiniens (Kommunistische Revolutionäre Partei Argentiniens) drückte ihre Vorfreude auf das Spiel aus. Klar, dass sie für Argentinien die Daumen hielten. Sie wusste, dass dies die Bevölkerung in Deutschland für ihre Nationalmannschaft ebenfalls tut. Sie wies darauf hin, dass Weltmeisterschaft besonders nationale Gefühle anspricht. "Aber die nationalen Gefühle in abhängigen Ländern haben einen anderen Stellenwert und fördern den Gedanken des Befreiungskampfs. In imperialistischen Ländern werden diese Gefühle dagegen instrumentalisiert. Angesichts der tiefsten Weltwirtschaftskrise der Geschichte darf die proletarische Politik ihre Einheit und Solidarität nicht durch ein Fußballspiel zerstören lassen. Solidarische Grüße nach Deutschland!"