Politik

9.000 Lübecker auf der Straße für den Erhalt der Uni

Lübeck (Korrespondenz), 06.07.10: Die Stadt Lübeck war am Abend des 1. Juli schwarz-gelb, aber anders als sich dies die Kieler Regierung aus CDU und FDP gewünscht hätte. Die Demonstranten hatten gelbe T-Shirts an, auf denen mit schwarzer Schrift geschrieben war: "Lübeck kämpft für seine Uni".

Von vier Punkten zogen in einem Sternmarsch Studenten, Krankenpfleger von der Uniklinik, Wissenschaftler und viele Lübecker Bürger ins Stadtzentrum – die größte Demonstration der letzten Jahre. Für sehr viele war es die erste Demonstration in ihrem Leben. Eine 84-jährige Rentnerin mit einem Krückstock sagte einem Reporter: "Wir gehen viel zu wenig auf die Straße." Eine Mutter sagte am offenen Mikrofon der MLPD: "Ich gehe mit meinen Kindern auf die Straße, damit die auch einmal in Lübeck studieren können."

Die medizinische Fakultät macht den überwiegenden Teil der Uni aus und soll von der Landesregierung geschlossen werden, weil die Uniklinik privatisiert werden soll. Krankenhauskonzerne wie Helios oder Asklepios stehen schon seit Jahren in den Startlöchern, eine universitäre Ausbildung an dieser Klinik wäre für sie eher hinderlich. 

So offen vertritt es die Landesregierung nicht, sondern versteckt sich hinter dem "Spar"zwang. Eine Podiumsdiskussion mit Landes-Politikern in der Petrikirche wird auf den Marktplatz übertragen. Bürgermeister Saxe (SPD) wirft die Frage auf, ob nicht lieber die Lübecker Uni als die Kieler erhalten bleiben sollte. Großen Beifall erhält dagegen der Unipräsident Dominiak, als er sagt: "Wir kämpfen für unsere Uni, aber wir kämpfen nicht gegen die Uni Kiel." Er erhält aber auch Beifall für sein "Alternativsparkonzept", das unter anderem eine Stiftungsuni vorsieht. Das ist genau im Sinne von etwa Medizintechnikfirmen wie Dräger, die damit noch mehr Einfluss auf die Forschung der Uni bekommen.

Die 700 Flugblätter der MLPD, die sich unter anderem mit diesen Argumenten auseinandersetzt und den Privatisierungskurs der Monopole aufdeckt, sind schnell vergriffen. Verdi hat einen Streik angekündigt, wenn die Klinik privatisiert wird, weil dies mindestens 20 Prozent Lohneinbußen und weitere Entlassungen bedeutet. Sollte nicht jetzt zum Streik aufgerufen werden?