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Welt-Aids-Konferenz - statt Effekthascherei wirksames Sofortprogramm erforderlich

23.07.10 - Vom 18. bis zum 23. Juli tagte in Wien die 18. Internationale Aids-Konferenz. Viele Vorträge und Diskussionsforen zeigten, dass der Sieg über Aids nicht nur eine Frage der Versorgung mit Medikamenten ist. Trotz der Aufwendung von Milliarden von Dollar durch die UNO bzw. WHO und der Aktivität zahlreicher Stiftungen weitet sich die Aids-Epidemie im Weltmaßstab weiter rasant aus. Weltweit leben heute 33,4 Millionen HIV-infizierte Menschen. Pro Tag kommen 7.400 HIV-Neuinfizierte dazu und sterben 5.000 Menschen an der Krankheit. Nirgendwo auf der Welt steigt zur Zeit die Rate der Infektionen so stark wie in Osteuropa. Heute sind dort etwa 1,5 Millionen Menschen HIV-infiziert – 2001 waren es noch keine 900.000.

Ursache des Versagens der herrschenden Aids-Politik ist vor allem die Profitgier der weltmarktbeherrschenden Pharma-Konzerne. Für sie ist die Aids-Epidemie eine unerschöpfliche Quelle von Traumprofiten: Pro Patient verdienen sie jährlich 15.000 bis 30.000 Euro. Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es wirksame Kombinationen von HIV-Medikamenten. Aber diese Kombinationstherapie ist für die Betroffenen in armen Ländern mit 350 US Dollar pro Jahr und Patient viel zu teuer. Heute erhalten weltweit nur fünf von 15 Millionen Aids-Kranken eine medikamentöse Therapie, die ihr Leben verlängert. Die Pharmamonopole behindern auch die Herstellung und Verbreitung günstiger Generika (Nachahmer-Präparate).

Verstärkt wird das durch die zunehmende Fäulnis des kapitalistischen Systems. Sie produziert immer mehr Heimkinder, junge Drogenabhängige, Straßenkinder und minderjährige Prostituierte, auf die ein Drittel der Infektionen entfallen. Mangelernährung auf Grund von Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit schwächen das Abwehrsystem und die Verträglichkeit von Medikamenten und führen zu Therapieabbrüchen. Sexuelle Gewalt, patriarchalische Gesetze und Traditionen fördern ebenfalls die Ausbreitung von Aids.

In bürgerlichen Massenmedien und teilweise auch auf der Konferenz wurde jetzt der erfolgreiche Test eines "chemischen Kondoms" als "Durchbruch" im Kampf gegen Aids gefeiert. Damit werden aber auch falsche Hoffnungen geschürt, um von der realen Dimension der Probleme abzulenken. Insgesamt nahmen nur 899 Frauen an dieser Studie teil. Die sehr geringe Zahl der Teilnehmerinnen lässt aber keine allgemeingültigen Schlüsse über die Wirksamkeit des Gels zu. So erkrankten von den Frauen, die das Gel einsetzten, nur 22 Frauen weniger als in der Plazebo-Gruppe an Aids. Fraglich ist auch, ob wirklich das Gel die Ansteckung verhindert hat und nicht etwa die zusätzlich ausgeteilten Kondome. Schon insgesamt 11 Studien der letzten Jahre mit sechs verschiedenen ähnlichen Wirkstoffen sind nach anfänglicher Begeisterung gescheitert.

Am Sonntag demonstrierten rund 2.000 internationale AIDS-Aktivisten in Wien und forderten mehr finanzielle Mittel. Sie kritisierten die großen acht imperialistischen Staaten (G8-Gruppe), weil sie die Mittel zur Bekämpfung des HI-Virus gesenkt statt erhöht haben. An Stelle von 7,6 Milliarden US-Dollar würden nach Schätzungen des Uno-Aids-Programms (UNAIDS) in diesem Jahr rund 25 Milliarden Dollar im Kampf gegen Aids benötigt. Aus Protest gegen die Beschlagnahmung billiger Nachahmer-Medikamente für HIV-Infizierte besetzten Demonstranten auch einen Stand der EU.

Gegen die imperialistische AIDS-Politik muss ein internationales Sofortprogramm (siehe www.hiv-therapie.org) durchgesetzt werden. Dazu gehören auch der Kampf für ausreichende Ernährung, sauberes Wasser, flächendeckende Vorsorgeprogramme und eine kostenlose gesundheitliche Vorsorge und Behandlung. Das muss eng mit der weiteren Aufklärung über den tatsächlichen Ursprung des HI-Virus in Biowaffenlabors des US-Militärs verbunden werden. Dieser Tatbestand ist nicht weniger menschenverachtend als der heutige Umgang der imperialistischen Politiker mit der Epidemie. Beides wirft immer eindringlicher die Notwendigkeit einer sozialistischen Alternative auf.