Jugend

Bewegende von Jugendlichen selbstorganisierte Trauerfeier in Duisburg

Bewegende von Jugendlichen selbstorganisierte Trauerfeier in Duisburg

01.08.10 - Jugendliche aus der "Raver-Gemeinde" hatten die Initiative ergriffen und über Internet für den gestrigen Samstag Nachmittag zu einem Trauerzug aufgerufen. Am Hauptbahnhof versammelten sich schon ab 15 Uhr die Menschen, die aus vielen Städten von Nordrhein-Westfalen angereist waren. Etwa zwei Drittel waren Jugendliche, sehr viele in schwarz gekleidet, manche hatten T-Shirts mit Extra-Aufdruck wie z.B. "Du lebst in unserem Herzen".

Die Initiatoren bestanden darauf, dass ein Schweigemarsch durchgeführt wird, ohne Parolen und Reden. Sie verteilten schwarze und weiße Ballons an einzelne Teilnehmer. Viele brachten Blumen oder Kerzen mit. Vereinzelt wurden aber auch selbstgefertigte Schilder mitgetragen, die Trauer, Wut und auch Empörung zum Ausdruck brachten. "Hallo Stadtspitze! Sich verstecken ist Täterverhalten", oder "Die Habgier der Verantwortlichen hat 21 Menschen aus unserer Mitte gerissen", oder "Wir klagen an die Organisatoren und die Stadtverwaltung Duisburg" war da unter anderem zu lesen.

Bevor der Zug mit Verspätung kurz nach 16 Uhr zum Böninger Park in die Nähe der Unglücksstelle losging, war viel Gelegenheit für Gespräche mit Freunden und Bekannten. Viele hatten die Übertragung der offiziellen Trauerfeier in der Salvatorkirche am Vormittag mit großer Prominenz von Bundespräsident und Kanzlerin am Fernseher mitverfolgt. Dieser Nachmittag - das war für die meisten ihre eigentliche Trauerfeier - ihr gemeinsamer und auch ganz persönlicher letzter Gruß an die Toten.

Nachdem sich der Zug in Bewegung setzte, schwoll er auf gut über 5.000 Trauernde an. Es wurde in mehreren Abschnitten von ca. 500 Teilnehmern in etwa 100 Meter Abstand gelaufen. Voran wurden jeweils Transparente getragen mit den Ländernamen, aus denen die Toten stammen: Australien, China, Bosnien, Deutschland, Spanien, Italien.

Im Park bedankte sich einer der Initiatoren für die große Anteilnahme. Die Namen der Toten wurden verlesen und ein "Vaterunser" gebetet. Auf ein Zeichen wurden die Ballons losgelassen: 21 schwarze für die Verstorbenen und 511 weiße für alle, die Verletzungen erlitten hatten.  

Die MLPD beteiligte sich an dem Trauerzug und respektierte die vom Initiator gewünschte Form des Schweigemarsches. Genossinnen und Genossen sowie Freunde der Partei brachten durch Plakate und Schilder  ihre Anteilnahme zum Ausdruck und prangerten Profitgier, Eitelkeit, Selbstherrlichkeit der Verantwortlichen an. Die aktuelle "Rote Fahne" mit dem Titelthema über die Duisburger Katastrophe stieß bei Teilnehmern auf Interesse.

Die Fragen nach den Hintergründen wühlten viele Menschen auf. Noch stand bei vielen im Vordergrund, die schrecklichen Ereignisse zu verarbeiten. Viele junge Menschen waren erstmals in ihrem Leben unmittelbar mit dem Tod konfrontiert und es gab immer wieder Tränen. Aber sie nickten auch zustimmend, wenn sie in  Gesprächen ermutigt wurden, dass sich die Jugend nicht dem Schicksal ergeben darf, welches Profiteure und karrieresüchtige Politiker ihnen angedeihen lassen wollen.

Die leisen Töne prägten diesen Trauermarsch. Aber dennoch konnte man überall die Wut heraushören über die herrschenden Verhältnisse. Dass sich die Jugend organisieren muss, wurde interessiert aufgenommen. Und das widerlegt auch jenes verbreitete Bild einer angeblich unpolitischen Jugend, die nur ihren Spaß haben will und zu keinerlei Verantwortungsübernahme bereit sei.

Die Jugendlichen haben den Trauerzug sehr gut organisiert. Wie wenig Vertrauen aber die Herrschenden in die Jugend haben, zeigt auch die Tatsache, dass ein riesiges Polizeiaufgebot im Hintergrund bereit stand.