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US-Geheimdokumente enthüllen: Bundesregierung deckt Killerkommandos in Afghanistan

27.07.10 - Wie ein Paukenschlag platzte die Veröffentlichung von 91.731 geheimen Militärdokumenten in die Heuchelei von einem bevorstehenden Truppenabzug, wie sie auf der jüngsten Afghanistan-Konferenz in Kabul verkündet wurde ("rf-news" berichtete). In den geheim gehaltenen Dokumenten, die aus dem Zeitraum zwischen dem 1.1.2004 und 31.12.2009 datieren, werden aus Sicht der eingesetzten Truppen die wahre Dimension des Krieges, das völlige Desaster der imperialistischen Truppen und die Verbrechen an den Völkern Afghanistans deutlich.

Die brisanten Dokumente wurden auf der Internetplattform "Wikileaks" veröffentlicht, ihr Wahrheitsgehalt durch Analysen vom "Spiegel", der "New York Times" und des Londoner "Guardian" bestätigt. Die Medienzensur der imperialistischen Militärs wird damit durchbrochen und die Propagandamaschinerie der Lüge überführt. Die Berichte beweisen, dass sich die imperialistischen Besatzungstruppen im ganzen Land kaum noch ungefährdet außerhalb ihrer Stützpunkte bewegen können und deshalb ihre Kriegsführung zunehmend auf Terrorangriffe gegen Aufständische sowie Zivilisten mit Jagdbombern, unbemannten Flugkörpern (so genannte Drohnen) und Artilleriebeschuss verlagern.

In den Dokumenten sind unter anderem 144 derartige Terrorangriffe detailliert aufgeführt. Den Berichten zufolge sind hunderte afghanischer Zivilisten bei bislang nicht bekannten Aktionen der internationalen Truppen ums Leben gekommen. In den Unterlagen gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass die Widerstandskämpfer auch mit modernsten Waffen ausgerüstet sind und unter anderem Luftabwehrraketen gegen Hubschrauber der internationalen Truppen einsetzen. Das wurde von NATO und US-Militärs bislang verheimlicht.

Als die Berichte bekannt wurden, war alles in heller Aufruhr. Jetzt hat die Propaganda der Herrschenden schon wieder umgeschaltet. Die Enthüllungen seien vor allem der Beweis, dass man gegen Einrichtungen wie "wikileaks" rigoroser vorgehen müsse. Sowohl die US-Regierung als auch der deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg geben sich empört, die Sicherheit der Soldaten sei dadurch gefährdet. "Gefährdet" ist in erster Linie das von ihnen verbreitete Bild, in Afghanistan würde ein Krieg gegen "Terroristen" und rücksichtslose "Aufständische" geführt. Aus den Berichten geht aber hervor, dass der Terror in Wirklichkeit von den Besatzungstruppen ausgeht.

Killerkommandos haben den Auftrag, in Wildwest-Manier "Aufständische auszuschalten" - tot oder lebendig. Wer nicht ermordet wird, wird in das berüchtigte Foltergefängnis Bagram nördlich von Kabul verschleppt. Die Einsätze werden seit Jahren streng geheim gehalten, selbst vor den normalen Truppen werden die Einheiten weitgehend abgeschirmt. Ihre Aufträge erhalten sie direkt aus dem Pentagon. Wenn sie ausrücken, erfahren die normalen Befehlsstände der ISAF nichts über ihren Auftrag. Die Operationsgebiete werden für die anderen Truppen gesperrt.

Die Bundesregierung und Kriegsminister zu Guttenberg decken diese Einsätze. Schon seit Sommer 2009 sind rund 300 Mann des Kommandos TF 373 auf dem Gelände des deutschen Feldlagers "Camp Marmal" in Masar-i-Scharif stationiert. Guttenberg sagte bei einem Truppenbesuch im November 2009, die Deutschen seien für "jede Hilfe der US-Armee dankbar". Zuvor hatten TF 373-Einheiten fünf Tage lang das Dorf Gul Tepa nordwestlich von Kunduz unter Beschuss genommen. Rund 130 Menschen kamen dabei ums Leben. Es ist davon auszugehen, dass sie bei solchen Operationen eng mit den KSK-Einheiten der Bundeswehr kooperieren, die maßgeblich am Massaker von Kundus im September 2009 beteiligt waren.

Die Veröffentlichung der Geheimdokumente bringt die Imperialisten vor der Weltöffentlichkeit noch mehr in die Defensive. Die Forderung nach sofortigem Abzug aller imperialistischen Truppen aus Afghanistan und die Solidarität mit dem Befreiungskampf der afghanischen Völker rücken verstärkt auf die Tagesordnung.