Politik

Lehrerinnen und Lehrer berichten: Unterrichtsausfall im nächsten Schuljahr droht

30.07.10 - Die "Rote Fahne" erhielt viele Leserbriefe von Lehrerinnen und Lehrer über die Lage an den Schulen. Einige wurden in der aktuellen Ausgabe der "Roten Fahne" abgedruckt. Wir bringen Auszüge aus Zuschriften aus Baden-Württemberg und bedanken uns für diese und weitere Briefe: 

"Ich bin Lehrer am Gymnasium. Mir und vielen Kollegen geht es gegen den Strich, dass die Inhalte, die wir vermitteln sollen, nicht darauf ausgerichtet sind, dass die Jugendlichen etwas fürs Leben lernen, sondern um auszusieben. Das ist vor allem in der 11. Klasse so. ... Bei unserer Abi-Feier konnte man wieder sehen, was die Jugendlichen eigentlich drauf haben an kulturellen und organisatorischen Fähigkeiten. Das können sie im normalen Schulbetrieb gar nicht entwickeln."

"Ich bin Lehrer an einer Hauptschule. Immer wieder empört mich, wie die Aussieberei nach vier gemeinsamen Schuljahren Kinder, Eltern und Lehrer drangsaliert. So ein Schulsystem gehört auf den Misthaufen der Geschichte! Vor drei Jahren schrieben 100 Rektoren ein kämpferisches Plädoyer für die Abschaffung der Hauptschulen und die Gemeinschaftsschule. Darin führten sie aus, dass schon vor 100 Jahren die ständische Schule überholt war und mit der Novemberrevolution 1918 auch abgeschafft wurde. Doch die Reaktion verhinderte damals, dass die Gemeinschaftsschule über die Grundschule hinaus eingeführt wurde. Stattdessen wurde an der pädagogisch schädlichen und undemokratischen Klassenschule festgehalten. Der Kampf für die Einheitsschule ist eine wichtiges Feld im Kampf um demokratische Rechte."

"Ich bin Lehrerin an der Hauptschule: Bei der letzten Lehrerkonferenz hat uns die Konrektorin empört mitgeteilt, dass wir an unserer Schule voraussichtlich keine einzige Krankheitsvertretungs-Stelle bekommen werden, da die 1.000 Stellen in Baden-Württemberg bereits vergeben sind für chronisch und längerfristig kranke Lehrer. Konkret ist es nun so, dass ich selber nächstes Jahr nur zehn Stunden unterrichten kann, da ich nur begrenzt arbeitsfähig bin. An unserer Schule fehlen nun 38 Lehrer-Stunden pro Woche. Für 14 Unterrichtsstunden hat die Schule jetzt eine Lehrkraft bekommen,  die  auch die gesamte Krankheitsstellvertretung abdecken soll. Es fehlen also noch 26 von den Pflichtlehrerstunden. ... Deshalb muss man fordern, dass alle ausgebildeten jungen Lehrer eingestellt werden und die Rente mit 67 muss wieder abgeschafft werden!"

Eine Grund- und Hauptschullehrerin berichtet: "Kinder aus Hartz IV-Familien leiden deutlich unter ihrer Situation. Selbst die einfachsten Dinge wie Lineal oder Hefte können nur sehr schwer finanziert werden. Umso wichtiger ist die Forderung nach vollständiger Lehrmittelfreiheit und 'Weg mit Hartz IV'!"

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