Politik

Polizei räumt besetzten Stuttgarter Hauptbahnhof

Polizei räumt besetzten Stuttgarter Hauptbahnhof

Stuttgart (Korrespondenz), 27.07.10: Bei strömendem Regen griff während der gestrigen "Montagsdemo gegen Stuttgart 21" ein junger Demonstrationsteilnehmer plötzlich zum Mikrofon und verkündete die Besetzung des Hauptbahnhof-Nordflügels, der im August abgerissen werden soll. Über Leitern waren die Besetzer ins Gebäude gestiegen und plötzlich hingen große Transparente an der Fassade. Auf einmal erhebliche Unruhe: Polizei rückte mit Blaulicht und Martinshorn an, griff aber nicht ein. Nach der Montagsdemo strömten dann viele Teilnehmer in die Bahnhofshalle und vor einen Seiteneingang des Nordflügels. Laute Sprechchöre dann im Bahnhof: "Oben bleiben!" und: "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Bahnhof klaut!"

Erst am späten Abend traute sich die Polizei, unter dem Protest immer noch hunderter Demonstranten gegen die Besetzer vorzugehen. Aufforderungen der Polizei, den Bahnhofsvorplatz freiwillig zu verlassen, gingen in Buh-Rufen und einem Trillerpfeifen-Konzert unter. Dazu Sprechchöre, unter anderem: "Aufstand! Aufstand! Aufstand!"

Kurz vor 23 Uhr begann dann die Polizei mit der Räumung der besetzten Gebäudeteile und bezog als erstes Stellung vor den Fenstern, um die Kommunikation zwischen Besetzern und Demonstranten zu unterbinden. Am nächsten Morgen heißt es dann in den Rundfunknachrichten, die Besetzer hätten sich friedlich wegtragen lassen. Gleichzeitig wird Stimmung gemacht, sie hätten die Polizei beleidigt, während die "Landesschau" am Abend zuvor "Tumulte" gemeldet hatte, von denen ich freilich nichts gespürt habe.

In der Straßenbahn hatte ich noch ein kurzes Gespräch mit einem mir bekannten jungen Antifaschisten und seiner Freundin. Wir sind uns schnell einig, dass die Besetzung die Wut und Entschlossenheit vieler Gegner von "Stuttgart 21" gezeigt hat. Es waren aber noch zu wenig Unterstützer für die Besetzer da und das Ganze war noch zu spontan, meinen meine Gesprächspartner noch.