Umwelt

Ölbohrungen jetzt auch im Mittelmeer - BP´s "Konsequenz" aus der Katastrophe im Golf von Mexiko

28.07.10 - Die mit der Explosion der BP-Plattform "Deepwater Horizon" am 20. April ausgelöste Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ist immer noch nicht unter Kontrolle, die Folgen sind noch völlig unabsehbar. Da beginnt der drittgrößte Ölkonzern der Welt mit der nächsten Tiefseebohrung - dieses Mal im Mittelmeer. Die Quelle für riesige Mengen Erdöl und Erdgas liegt mit 1.750 Metern Tiefe nochmals 250 Meter tiefer als die Katastrophenbohrstelle vor der US-amerikanischen Küste. Dort wird seit Monaten praktisch unter Beweis gestellt, dass die Ölgiganten eine solche Technologie nicht beherrschen und dass sie in ihrer Profitgier alle Sicherheitsbedenken über Bord zu werfen bereit sind.

Die neue Quelle, deren Erschließung in den nächsten Tagen beginnen soll, liegt nur etwa 200 Kilometer vor der libyschen Küste. Schon heute gilt das Mittelmeer als das Meer mit dem höchsten Grad an Ölverschmutzungen - die Folgen eines auch nur annähernd vergleichbaren Unglücks wie imGolf von Mexiko mag niemand sich ausmalen. Die BP-Bosse und ihre Dienstleister in den Regierungen kennen solche Skrupel nicht. Zur Beruhigung der empörten Öffentlichkeit wurde die Konzernspitze ausgetauscht. Der allzu arrogant auftretende Brite Tony Hayward wurde (mit einem guten dotierten neuen Posten und einer Millionenrente) "zurückgetreten".

Neuer Konzernchef ist Robert Dudley, der sich in den Massenmedien gern als "Krisenmanager" in Gummistiefeln präsentierte. Seine hauptsächliche Qualifikation soll darin bestehen, dass er US-Amerikaner ist. Das entspricht den tatsächlichen Besitzverhältnissen von BP, dem ehemaligen britischen Staatskonzern. 40 Prozent der Vermögenswerte des längst privatisierten Konzerns liegen in den USA. Größter Aktionär ist heute mit 28,34 Prozent die mächtige US-Bank JPMorgan Chase.

Die besseren Beziehungen zum eng mit der gesamten Ölindustrie verquickten US-Staatsapparat machen sich schon jetzt bezahlt. BP kann 10 Milliarden US-Dollar, die aus der Schadensregulierung entstehen, alleine in den USA von den Steuern absetzen. Wie hoch die Schadensregulierung durch den Steuerzahler in den anderen Standortländern des Konzerns ausfallen wird, ist noch nicht geklärt. Noch läuft ja das Geschäftsjahr - und das Öl.

Dass BP und die anderen Ölkonzerne trotz der bisher schlimmsten Ölkatastrophe nicht im Traum daran denken, die höchstriskanten Tiefsee- und Unterwassbohrungen geschweige denn andere umwelt- und lebensgefährdende Praktiken einzustellen, belegt nur ein weiteres Mal: Ernsthafte Konsequenzen im Interesse der übergroßen Mehrheit der Menschen können nur im weltweiten aktiven Widerstand durchgesetzt werden. Allerdings hat sich als Antwort auf die Katastrophe im Golf von Mexiko auch die Umweltbewegung gestärkt. 

Die Verantwortlichen für die Katastrophe müssen strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden! Nicht nur die Tiefseebohrungen, auch Tausende von Bohrinseln sind eine tickende Zeitbombe, die jederzeit eine weitere Verseuchung der Weltmeere heraufbeschwören können. Notwendig ist das Verbot von Tiefseebohrungen und jeder Förderung von Öl aus dem Meer. Vor allem aber ein Sofortprogramm zur Ersetzung der Verbrennung fossiler Energieträger durch erneuerbare Energien!