Politik

"Wut und Entsetzen über den Zynismus der Verantwortlichen"

28.07.10 - Der IG-Metall-Vertrauenskörper und Betriebsrat von ThyssenKrupp Tailored Blank GmbH in Duisburg wenden sich mit einer eigenen Erklärung zur Katastrophe bei der Love-Parade an die Öffentlichkeit. Wir dokumentieren Auszüge:

Wir sind tief betroffen und schockiert über die tragischen Ereignisse am 24. Juli 2010 bei der 19. Loveparade in unserer Heimatstadt Duisburg. Wir beklagen voll Trauer das mittlerweile zwanzigste Todesopfer dieses sinnlosen Unglücks und sprechen den Hinterbliebenen unsere tiefe, aufrichtige und schwer in Worte zu fassende Anteilnahme aus. (...) Die Belegschaft der ThyssenKrupp Tailored Blanks GmbH ist jung. Viele Kollegen haben die Loveparade selbst besucht.

In unsere tiefe Trauer mischen sich Wut und Entsetzen angesichts des an Zynismus kaum zu übertreffenden Verhaltens der Verantwortlichen. (...) Geradezu unerträglich ist es, wenn Verantwortliche in Interviews den Opfern selbst die Verantwortung für ihren Tod in die Schuhe zu schieben versuchen, indem ihnen unterstellt wird, die Tode seien Konsequenz individuellen Fehlverhaltens.

Die immer deutlicher werdende Inkaufnahme der bekannten Sicherheitsrisiken ist politisch und persönlich unstrittig und muss in aller Konsequenz strafrechtlich, persönlich und politisch geahndet werden. Es gibt für uns deshalb nur die Konsequenz, dass die verantwortlichen Personen – ohne sie aus ihrer persönlichen, juristischen und politischen Verantwortung zu entlassen – umgehend von ihren Ämtern zurück treten, um weitere Demütigungen der Opfer und weiteren Schaden von der Stadt Duisburg abzuwenden.

Solche Menschen, die zur Selbstprofilierung und zur Erzielung von Profiten Menschenleben aufs Spiel setzen, müssen in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt werden. (...) Unseres Erachtens vertreten weder der Oberbürgermeister noch sein Ordnungsdezernent, aber auch keiner der weiteren Beteiligten, die zu ihrer persönlichen Verantwortung nicht Stellung nehmen unsere Stadt und dürfen dies auch künftig nicht mehr öffentlich tun.

Die Ereignisse vom 24. Juli 2010 in unserer Stadt werden uns Duisburgern für immer ins kollektive Gedächtnis eingebrannt sein. Die Toten waren an diesem Tag Duisburger, denn sie waren unsere Gäste – und sie werden in unseren Herzen auf ewig Duisburger sein.

(hier der vollständige Text der Erklärung im pdf-Format)