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Bangladesch: Textilarbeiterinnen in Aufruhr

02.08.10 - Seit letzter Woche toben in Bangladesch aufstandsähnliche Kämpfe zwischen Textilarbeitern und bewaffneten Polizeitruppen. Bereits am Donnerstag kam es zu Demonstrationen und Unruhen tausender empörter Arbeiterinnen und Arbeiter vor allem in den Zentren der Textilindustrie Ashulia und Narayanganj rund um die Hauptstadt Dhaka. Sie lehnen die bisherige Lohnstruktur ab und fordern einen monatlichen Mindestlohn von 5.000 Taka (etwa 55 Euro). Sie blockierten Straßen, attackierten die Firmenzentralen und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, die Schlagstöcke und Wasserwerfer einsetzte.

Am Sonntag einigten sich Unternehmerverbände und Verhandlungsführer der Textilarbeiter im Beisein von Regierungsvertretern auf einen Mindestlohn von 3.000 Taka (rund 33 Euro). In den Textilfabriken wird überwiegend für internationale Monopole aus Europa und den USA zu Billigstlöhnen produziert, darunter Handelsketten wie Walmart, Levi Strauss, Metro sowie H&M.

Die Arbeiterinnen und Arbeiter prangern an, dass das hinten und vorne nicht zum Leben reicht. Eine Textilarbeiterin: "Wir sind gezwungen, auf die Straße zu gehen, weil die Fabrikbesitzer uns direkt unter den Augen der Regierung ausbeuten. Ich muss allein 1.000 Taka für Lebensmittel und 1.500 für die Miete ausgeben. Was bleibt da noch übrig bei einem solchen Lohn?" In einem Kommentar zu einem Internet-Artikel schreibt eine andere: "Vergiss Gesundheit und Bildung. 3.000 Taka reichen nicht einmal für drei Mahlzeiten am Tag und ein Haus über dem Kopf. Die Textilarbeiterinnen müssen jetzt schon zwei bis drei Stunden am Tag zur Arbeit laufen, weil sie sich keine Verkehrsmittel leisten können."

Heute berichtete uns Khan Rano telefonisch aus Bangladesch: "Bereits gestern kam es aus Protest gegen diesen offiziellen Abschluss unter führender Beteiligung der Kommunistischen Partei Bangladesch (CPB) zu erneuten Demonstrationen. Heute gingen wieder tausende auf die Straßen. In zahlreichen Fabriken kam es zu selbständigen Streiks für die volle Durchsetzung der ursprünglichen Lohnforderung.

Gleichzeitig begannen die Besitzer der Fabriken mit Aussperrungen. Nachdem die betroffenen Arbeiter heute früh die Mitteilungen darüber an den Fabriktoren lasen, errichteten sie Barrikaden auf den Straßen. Sie griffen die anrückenden Polizisten, die Gummigeschosse und Tränengas abfeuerten, mit Steinen an. Die Kämpfe kosteten bisher über 200 Verletzte.

Mehrere Führer der Textilarbeiter wurden verhaftet, andere konnten sich der Verhaftung gerade noch entziehen. In den bürgerlichen Medien wird teilweise gegen die Kämpfenden gehetzt, die angeblich nur eine kleine Minderheit der insgesamt 2,5 Millionen hauptsächlich jungen weiblichen Textilarbeiterinnen ausmachen würden. Tatsächlich haben sie die große Mehrheit hinter sich, viele beteiligen sich auch innerhalb der Fabriken an Aktionen." (siehe auch "rf-news"-Artikel vom 2.5.2006 "Bangladesch: "Ein Aufstand der Arbeiter in den Bekleidungsfabriken, wie es ihn noch nie gab")

Sofortige Freilassung der Verhafteten und Aufhebung jeglicher Repressionen!

Solidarität mit dem Kampf der Kollegen und Kolleginnen in Bangladesch!

(Solidaritätserklärungen werden von "rf-news" nach Bangladesch weiter geleitet)