Betrieb und Gewerkschaft

HSP-Vertrauensleute und -Kollegen bereiten Stahltarifrunde vor

Dortmund (Korrespondenz), 04.08.10: Zur Vorbereitung der Stahltarifrunde fand bei HSP in Dortmund eine Bildungsveranstaltung für Vertrauensleute und interessierte Kollegen statt, die sehr gut besucht war. Viele Kollegen sind über die wirtschaftliche Lage verunsichert. Auch die IG Metall spricht ja davon, dass die Krise "vorbei" sei. Richtig ist, dass die Talsohle durchschritten ist. Aber noch ist die industrielle Produktion weit vom Stand vor der Krise entfernt.

"Jetzt den Aufschwung nicht durch hohe Lohnforderungen gefährden", warnt uns Wirtschaftsminister Brüderle. Wenn es nach ihm und den Unternehmern ginge, gäbe es nie einen richtigen Zeitpunkt für Lohnerhöhungen. Deshalb untersuchten wir, wie sich bei unseren Kollegen und ihren Familien die "wirtschaftliche Lage" verändert hat. Dazu hatte ein Kollege (verheiratet, ein Kind, durchschnittlicher Lohn) seine Lohnabrechnungen mitgebracht.

Wir stellten fest, dass der Kollege durch die Kurzarbeit seit April 2009 trotz Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 90 Prozent netto einen Verlust von 2.000 Euro im Jahr hatte. Dazu kommt die Steuernachzahlung wegen des Progressionsvorbehaltes, die auch noch mal 200 bis 300 Euro ausmachen kann. Aber auch die angekündigten Beschlüsse der Regierung zur Abwälzung der Krisenlasten gilt es bei der Tarifrunde zu berücksichtigen.

Bevor wir über die Aufstellung einer Forderung diskutierten, haben wir uns erst noch mal grundsätzlich mit der Lohnarbeit anhand der Schrift von Karl Marx "Lohn, Preis, Profit" beschäftigt. Dabei war wichtig, zu durchschauen, dass mit der Form des Lohnes die Ausbeutung im Betrieb verschleiert wird. In den Tarifauseinandersetzungen können wir durch den Einsatz unserer Kampfkraft zwar Einfluss auf die Höhe unseres Lohnes nehmen, an der Lohnarbeit selber und damit dem Ausbeutungsverhältnis ändert sich dadurch nichts. Karl Marx rät den Arbeitern, sich nicht mit dem Kampf gegen die Folgen des Kapitalismus zu begnügen, sondern das ganze Lohnsystem, d.h. den Kapitalismus abzuschaffen.

Man merkte, dass sich damit immer mehr Kollegen auseinandersetzen, auch wenn es noch viele Fragen zu der Alternative gibt und wie man dahin kommt. Einig waren wir uns, dass wir eine kräftige Lohnerhöhung brauchen und dazu die gewerkschaftliche Kampfkraft voll zum Einsatz kommen muss.