Umwelt

Russland: Drei Gründe für die furchtbaren Brände

06.08.10 - Der russische Marxist-Leninist Vadim gab "rf-news" ein Interview zu den katastrophalen Waldbränden in Russland:

Was sind die Hintergründe der Waldbrände in Russland?

Vadim: Erstens herrscht in diesem Jahr eine anormale Hitze. Das ist die hauptsächliche Ursache der Brände. Der zweite Grund ist, dass in Russland das System des Schutzes gegen die Brände zerstört worden ist. In der Sowjetunion war ganz Russland in Brandgebiete aufgeteilt und in jedem Gebiet war klar festgelegt, welche Maßnahmen zum Schutz vor Bränden wahrgenommen werden mussten.

Die Verantwortlichen haben regelmäßig das morsche Gehölz weggebracht und haben in den Wäldern Gräben oder Rinnen gelegt, damit das Feuer sich nicht von einem Gebiet zu anderen ausbreiten konnte. Es handelte sich um ein System, wie die trockenen Sumpfgebiete durch Gräben geschützt werden usw., so dass dort kein Feuer entstehen kann. Es wurden Vorsichtsmaßnahmen getroffen aufgrund von Forschungen.

Das wird jetzt nicht mehr gemacht. Die heutigen Feuerwehrleute sind hauptsächlich damit beschäftigt, sich Geld zu verdienen. Sie verdienen Geld, indem sie denen Steuern auferlegen, die auf dem Gebiet leben, auf dem sie für den Feuerschutz zuständig sind. Das sind sowohl Unternehmen wie auch Privatleute. Deswegen haben sie fast nie Zeit, sich mit Vorsichtsmaßnahmen gegen das Feuer zu beschäftigen.

Der nächste Grund für die Feuer, die in Moskau zur Zeit besonders schlimm sind, ist ein falsches System der Nutzung des Landes. Ein großer Teil des Landes wurde in letzter Zeit verkauft. Sie haben Land verkauft, das sich am Rand von Wasserreservoiren, Seen usw. befand. Um mehr Land verkaufen zu können, wurden in den letzten Jahren Sümpfe trocken gelegt. Erst wenn die Sümpfe trocken gelegt waren, haben sie das Land verkauft. So ein Land ist natürlich viel teurer als ein Sumpfland. Dadurch ist der Torf jetzt nicht in einem feuchten, sondern in trockenem Zustand. Und wenn da ein Feuer ausbricht, ist es ganz schwer zu löschen. Es gab schon Brände, bei denen man drei Jahre benötigte, um sie zu löschen.

Hier in St. Petersburg ist die Situation nicht so schlimm, weil es hier geregnet hat. Jetzt wird diskutiert, ob man die schon getrockneten Moore wieder überschwemmt.

Das waren die drei Gründe, warum es zu diesen furchtbaren Bränden kam. Das ist eine regionale Katastrophe.

Was sind oder was können die Auswirkungen für die Massen sein und wie ist die Situation jetzt im Moment?

Vadim: Es sind schon fast 100 Menschen verbrannt. Manche Siedlungen mussten schon ganz geräumt werden. Die Regierung hat Geld für die gefährdeten Gebiete gegeben. Wie immer herrscht eine große Korruption in Russland und selbst Putin, der Ministerpräsident, hat gesagt, dass das Geld wahrscheinlich gestohlen wurde. Deshalb hat Putin gesagt, dass er alle diese Dörfer überwachen wird, um zu sehen, ob die Mittel wirklich bei der Bevölkerung ankommen. Praktisch bleibt das Geld immer in den verschiedenen Stufen der Hierarchie der Bürokratie hängen.

Man hört etwas von einer Gefährdung, dass die Brände ein Atomlager oder Atomkraftwerke erreichen. Stimmt das und weißt du da etwas darüber? 

Vadim: Ich denke, dass es dahin nicht kommen wird. Es ist zwar so, dass in der Umgebung schon Feuer sind, aber sie werden das nicht zulassen. Dort gibt es mehrere Stufen des Schutzes vor Bränden und sie haben das im Griff, dass das Feuer dort nicht hinkommt. Solche Atomzentren und Atomkraftwerke gibt es nicht so viele in Russland.

Siehst du einen Zusammenhang zur globalen Umweltkatastrophe in der Tatsache, dass es so heiß war in diesem Sommer?

Vadim: Das Klima wird erst seit ungefähr 100 bis 130 Jahren gemessen und das scheint mir noch eine relativ kurze Zeit. Aber wenn man sich das anschaut, welche Folgen die Tätigkeit der Unternehmen in der Welt haben, dann muss man sagen, dass die schädlichen Folgen für die Natur von Jahr zu Jahr zunehmen.

Herzlichen Dank für das Interview, unsere Solidarität für die Bevölkerung in Russland!