Umwelt

Russland: 190.000 Hektar brennen

05.08.10 - Die katastrophalen Torf- und Waldbrände in Russland sind weiterhin außer Kontrolle. 190.000 Hektar stehen in Flammen. Inzwischen sind 50 Todesfälle gemeldet, über die Anzahl der Verletzten und die immensen Zerstörungen durch die Feuer gibt es bislang keine exakten Angaben. Russlands Präsident Medwedew hat seinen Urlaub unterbrochen und ist zu einer Sondersitzung des Sicherheitsrats nach Moskau gereist.

Die Behörden haben die Einwohner Moskaus aufgefordert, trotz der unerträglichen Hitze tagsüber in ihren Wohnungen zu bleiben; denn Ärzte warnen vor einer derzeit um das Zehnfache erhöhten Luftverschmutzung vor allem durch Kohlenmonoxid und Kohlendioxid in Russlands Hauptstadt. Die inzwischen zunehmend getragenen Staubmasken können den Leuten nicht wirklich helfen: sie filtern zwar Partikel aus der Luft, sind aber wirkungslos gegen die giftigen Gase.

Die katastrophale Situation in Russland geht zurück auf die größte Hitzewelle und Trockenheit im Land seit über 130 Jahren. Tatsächlich war das erste Halbjahr 2010 auch weltweit das wärmste Halbjahr der letzten 130 Jahre. "Die globale Erwärmung schreitet dramatisch voran", so Regine Günther, Leiterin Klima- und Energiepolitik des WWF Deutschland. Dies ist eine Folge der zunehmenden Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre, wodurch inzwischen der Übergang in eine weltweite Klimakatastrophe eingetreten ist.

Die gigantischen Brände in Russland verschärfen diese Situation dramatisch. Wälder speichern etwa die Hälfte des auf der Erde gebundenen Kohlenstoffs, wenn sie verbrennen, wird der Klimakiller CO2 freigesetzt. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur "dpa" beschrieb Prof. Florian Siegert von der Ludwig-Maximilians-Universität in München weitere Folgen der aktuellen Brände. Noch höhere Emissionen gibt es bei Bränden von Torfgebieten wie jetzt in Russland: "Das liegt vor allem daran, dass sich im Torf über Jahrtausende Biomasse und damit Kohlenstoff in großer Menge angesammelt hat, der in Form von CO2 durch das Feuer auf einmal freigesetzt wird."

Noch kann keine Aussage über die Menge an freigesetzten Treibhausgasen in Russland getroffen werden. Prof. Siegert berichtet aber über die großen Brände in Torfgebieten und Wäldern in Indonesien 1997, dass damals geschätzt wurde, "dass die Torffeuer-Emissionen dieser Zeit ungefähr zehn Prozent des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes durch Verbrennen fossiler Brennstoffe betragen haben".

In Russland gerät die Regierung immer mehr in die Kritik der Massen. In der Industriestadt Wyksa hat sich nach Angaben von "spiegel.de" eine wütende Menge auf Ministerpräsident Wladimir Putin gestürzt und Hilfe gefordert. Unter Putins Regierung wurde der Waldschutz drastisch zurückgefahren und privatisiert. So berichtet die "Moscow Times" am 3. August: "Umweltschützer sagten, dass die Folgen der Brände so dramatisch sind, weil ein zentrales Waldfeuer-Kontrollsystem 2007 durch ein neues Waldgesetz abgeschafft wurde, das durch Holzunternehmen vorangetrieben und vom damaligen Präsident Putin unterzeichnet wurde. Aber unter dem neuen System wurde die Zahl der Forst-Beschäftigten um 75 Prozent heruntergefahren." Umweltschützer hatten damals Putin heftig vor einer Unterzeichnung des neuen Gesetzes gewarnt.

Hunderttausende, auch viele freiwillige Helfer, setzen zurzeit ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel, um die Brände zu bekämpfen. Weltweit fühlen sich die Menschen solidarisch mit den um ihre Lebensbedingungen kämpfenden Massen in Russland. Und in dieser Situation fällt der Russisch-Orthodoxen Kirche nicht besseres ein, als die "Sünden der Russen" für die Katastrophe verantwortlich zu machen und die Bevölkerung zu drängen, um Vergebung zu bitten! ("Moscow Times", 5.8.10).

"Nehmt ihnen die Welt aus der Hand, eh' sie verbrannt!" ist dagegen die richtige Schlussfolgerung für die Menschen weltweit, die Verantwortung für die Zukunft übernehmen wollen. Notwendig ist der Aufbau einer internationalen Widerstandsfront zur Rettung der Umwelt. Die Klimakatastrophe ist ein Werk des Kapitalismus - es ist an der Zeit, ihn zu stürzen!