Umwelt

Hochwasser in Polen, Tschechien und Sachsen

08.08.10 - Die Feuerkatastrophe in Russland, riesige Überschwemmungen in Pakistan und Indien und jetzt Land unter in Polen, Tschechien und im östlichen Sachsen. Ein Gewitterband des Tiefs "Viola" von Tschechiens Hauptstadt Prag bis zur Insel Rügen hat mit schweren Regenfällen in den letzten Tagen zu einem Anschwellen der Pegelstände rund um die Neiße geführt. Inzwischen sind wegen der reißenden Fluten in den drei Ländern schon acht Tote zu beklagen.

Der Pegelstand der Neiße liegt bei Görlitz bei über sieben Meter. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Messungen 1912. Normalerweise liegt er um die 1,70 Meter. Die Uferstraßen sind meterhoch überspült. Südliche Stadtteile und Teile der Innenstadt von Görlitz wurden evakuiert, Leute mussten von der Feuerwehr aus Autos und Häusern gerettet werden. Die Innenstadt ist inzwischen überflutet wie auch weitere Städte und Gebiete entlang der Neiße, im Erzgebirge und in der Sächsischen Schweiz.

Schwere Überschwemmungen auch im polnischen und tschechischen Grenzgebiet. Für Polen ist das schon die dritte Überschwemmungskatastrophe in diesem Jahr. Verschiedentlich wurde Katastrophenalarm ausgerufen. Hunderte Helfer, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Bundespolizei, Rotes Kreuz usw. sind im Einsatz. Dramatisch verschärft wird die Situation durch den Bruch eines Staudamms am polnischen Witka-Stausee.

Auch der Pegelstand der Elbe steigt, bei Dresden wurden Ufergebiete überschwemmt. Überflutete Gebiete und Hochwasser gibt es infolge des schweren Tiefs auch in Südbayern und in Teilen Mittelfrankens. Inzwischen sinken die Pegel an der Neiße teilweise wieder, es werden allerdings weitere schwere Regenfälle erwartet ...

Für die Bewohner der Gegend wie auch für die Behörden kam das Ausmaß der Katastrophe und die Geschwindigkeit, mit der das Wasser stieg, überraschend. Viele erinnern sich an das Jahrhundert-Hochwasser im Jahr 2002 - und die Frage stellt sich, ob seit damals genug getan wurde für den Hochwasserschutz. Sachsens Umweltminister Frank Kupfer antwortete heute auf diese Frage im MDR: "Wir haben damals schon gesagt: Die Investitionen, die nötig sind, um einen ausreichenden Schutz vor so einem Hochwasser zu bringen, werden eine Generationenaufgabe sein. 2 Milliarden Euro müssen Sie investieren. Wir haben bis jetzt fast 400 Millionen investiert, wollen bis 2015 noch eine Milliarde investiert haben und wir hoffen, dass wir auch danach noch Geld von der Europäischen Union bekommen, damit wir noch weiter investieren können."

Günther Slave, Vorsitzender des Landesverbands Elbe-Saale der MLPD, kritisiert: "Für die Banken waren innerhalb kürzester Zeit hunderte von Milliarden da, da war das keine 'Generationenaufgabe', das nötige Geld zusammenzubringen. Dieses Hochwasser ist kein Zufall, wir hatten eine sehr dramatische Wetterlage. Und solche Wetterlagen häufen sich jetzt überall. Das ist der Übergang in die globale Klimakatastrophe. 'Nehmt ihnen die Welt aus der Hand, eh' sie verbrannt' - diese Losung wird durch die aktuelle Entwicklung unterstrichen.

Der Klimagipfel in Kopenhagen 2009 hat nur unverbindliche Erklärungen gebracht und auch bei der Vorbereitung des nächsten Gipfels in Cancún gibt es keine Fortschritte. Mit der dramatischen Entwicklung zur Klimakatastrophe müssen wir uns auf einen wesentlich härteren, internationalen Kampf zur Rettung der Umwelt vor der Profitgier der Monopole einstellen! Wir erklären unsere Solidarität mit allen Betroffenen des Hochwassers dieseits und jenseits der Grenzen. Das war auch eine wichtige Lehre des Jahrhundert-Hochwassers 2002: Auf die Solidarität der Leute kann man bauen!"