Wirtschaft

Gewitterwolken am Horizont der US-Wirtschaft

13.08.10 - Als "ermutigendes Zeichen" hat noch vor kurzem Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle die neuen Zahlen der Konjunkturentwicklung bezeichnet. Vor allem das Geschäft mit dem Ausland stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 15,0 Prozent. Der Aufschwung "gewinne an Breite und Festigkeit". Tatsächlich ist aber mit dieser Umsatzsteigerung der Stand vor der Krise längst noch nicht wieder erreicht.

So befindet sich der Auslandsumsatz des verarbeitenden Gewerbes gegenwärtig noch auf dem Niveau vom August 2006, der Inlandsumsatz gar nur auf dem Stand von August 2004. Und der Gesamtumsatz befindet sich auf dem Niveau von Anfang 2006. Alle Umsatzwerte liegen damit noch immer um ca. 10 Prozent unter ihrem Höchst-Vorkrisen-Stand von Anfang 2008. Das ist der "Süddeutschen Zeitung" nicht entgangen, sie glaubt aber, dass es bis 2012 "wieder so weit sein kann", dass der Vorkrisenstand erreicht wird. 

Die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland ist von einigen Sonderfaktoren geprägt, die einen sicheren Aufschwung überhaupt nicht ableiten lassen: Insbesondere der Export nach Asien hat zeitweilig eine Belebung für bestimmte Branchen gebracht. In Indien und China wurden durch gigantische staatliche Programme die Produktionskapazitäten ausgeweitet. Mit einer Abschwächung der weltweiten Produktion wird mit dem Auslaufen der Programme jetzt gerechnet. Besonders aber "sorgen die Nachrichten aus Washington in Berlin für Unruhe. In Regierungskreisen gilt ein scharfer Konjunktureinbruch in den Vereinigten Staaten als eines der Hauptrisiken für den deutschen Aufschwung", schrieb "zeit-online" vom 6. August.

Vorgestern löste nun eine deutliche Konjunkturabkühlung in den USA am deutschen Aktienmarkt umfangreiche Verkäufe aus. Dunkelrote Verluste hatten die amerikanischen Aktienkurse schon seit Dienstag hinnehmen müssen. In den USA ist die Arbeitslosigkeit rasant wie nie zuvor in der Geschichte angestiegen. "14,6 Millionen Menschen hätten im Juni einen Job gesucht - doppelt so viele wie im Juli 2007", berichtet "nzz-online". Da die US-Wirtschaft "zu 70 Prozent vom privaten Konsum" abhängt, zeichnet sich ein regelrechter Einbruch der Wirtschaftsentwicklung in den USA ab.

Die daraus entstehenden negativen Folgen, vor allem für exportabhängige Nationen wie Deutschland, lassen sich noch gar nicht absehen. Das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo), sonst eher für Jubelmeldungen zuständig, erwartet ab dem dritten Quartal eine Abkühlung der Konjunktur in Deutschland. "Die Bäume wachsen nicht in den Himmel", musste Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen zugeben.

Die Zahl der Firmeninsolvenzen erreichte in Deutschland neue Rekordhöhen. Im Mai mussten 2.692 vor allem mittelständische Unternehmen Insolvenz anmelden, mehr als je zuvor. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet in diesem Jahr mit bis zu 36.000 Insolvenzen. Das sind 3.000 mehr als im tiefsten Krisenjahr 2009. Ein gefestigter Aufschwung sieht anders aus!

Ganz im Gegensatz zu den spekulativen Meldungen der bürgerlichen Ökonomen bestätigt sich, was die MLPD schon im Frühjahr 2009 in ihrer Broschüre "Bürgerliche politische Ökonomie vor dem Scherbenhaufen" schrieb: "Auch nach dem Abschwung der Krise ist kaum mit einer sofortigen Belebung oder gar einem Aufschwung zu rechnen... Vielmehr wird eine Phase der Depression folgen" (eine längere Stagnation der weltweiten industriellen Produktion - Anm. der Red.) "Das wird aller Voraussicht nach zu einer bisher nicht gekannten Steigerung der Ausbeutung der internationalen Arbeiterklasse führen ... Alles weist darauf hin, dass diese Depression einschneidender als bei der letzten Weltwirtschaftskrise wird."

Die aktuelle Ausgabe der "Roten Fahne" kommt in ihrem Artikel "Gewitterwolken über dem 'Sommermärchen' vom Wirtschaftsaufschwung" zu der nüchternen Prognose: "Es ist durchaus möglich, dass es zu einer Phase der Belebung im Rahmen der Depression kommt. Aber selbst wenn diese 2012 überwunden wäre – die Herrschenden werden alles dran setzen, die Krisenlasten und die Folgen der Explosion der Staatsverschuldung auf die  Massen abzuwälzen." 

 

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