International

Tödliche Bergwerksunglücke und weltweite Bergarbeiterkämpfe

10.08.10 - Erst vor wenigen Tagen, am 6. August, sind in einer Goldmine im Osten Chinas bei einem Grubenbrand mindestens 16 Bergleute gestorben, 300 weitere eingeschlossene Arbeiter konnten befreit werden. Vermutet wird, dass ein defektes Kabel der Auslöser war. In China sterben jährlich viele hundert Bergarbeiter, vor allem in den Kohle-Zechen. Am 4. August kamen in einem Kohlebergwerk im Nordosten Kolumbiens vier Arbeiter ums Leben, mehrere wurden verletzt. Der Zusammenbruch eines Gerüsts war die Ursache für den tödlichen Unfall.

Carbones del Cerrejón gehört den Konzernen Xstrata, Anglo American und BHP Billiton. Es ist das größte Kohlebergwerk in Lateinamerika. In der aktuellen "Roten Fahne" wird über die massive Umweltbelastung durch Cerrejón berichtet: "... aus der offenen Mine sowie von den riesigen Baggern und LKWs wird Staub aufgewirbelt und über das Land verteilt." E.on, RWE und Vattenfall beziehen Importkohle von dort, während in Deutschland der Bergbau vorzeitig plattgemacht werden soll! 

Am 5. August brach in der Kupfer- und Goldmine Campania Minera San Esteban im Norden der chilenischen Atacama-Wüste ein Stollen zusammen und begrub 33 Bergarbeiter unter sich. Die Rettungsversuche mussten am vergangenen Samstag eingestellt werden, weil weitere Einbrüche drohten.

Bergleute leben auf der ganzen Welt gefährlich, wo das Profitgesetz diktiert, wird ihre Sicherheit klein geschrieben. Aber sie sind auch eine ganz entscheidende Kraft im Kampf für ihre Rechte, gegen die volksfeindliche Politik ihrer Regierungen und für eine lebenswerte Zukunft! So wird die bolivianische Stadt Potosi seit über einer Woche durch Streiks und Blockaden lahmgelegt. Die Demonstranten, darunter viele Bergleute, fordern von der Regierung Hilfen für die arme Region mit hoher Arbeitslosigkeit. Sie fordern unter anderem den Bau einer neuen Zementfabrik und eine Vergrößerung des Flughafen. Da die Demonstranten Straßen und Flughafen blockierten, konnten viele Touristen nicht wie geplant ab- bzw. anreisen.

Ingrid Dannenberg, Bergarbeiterfrau aus Marl, von der Bergarbeiterbewegung Kumpel für AUF im Vest stellt fest: "Es ist auffällig, dass in letzter Zeit die Unglücke in Bergwerken zunehmen. Es ist eine Begleiterscheinung der Weltwirtschafts- und Finanzkrise, die Sicherheitsbedingungen und Standards im Bergbau auf Kosten des Lebens und der Gesundheit der Bergleute von den internationalen Monopolen zu missachten. Bei uns Bergarbeiterfrauen und -müttern fährt täglich ein Stück Herz mit unseren Männern und Söhnen unter Tage: Kommen sie gesund wieder und haben wir uns richtig verabschiedet, wurde alles gesagt usw.

Gegen diese massiven Einschnitte in die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bergarbeiter und ihrer Familien entwickelt sich aber auch Widerstand. Daher bin ich der Meinung, dass die Bergleute, ihre Familien und Freunde aller Länder sich zu einer weltweit verbundenen Bergarbeiterbewegung zusammenschließen müssen. Sie müssen nicht nur für wirksame Maßnahmen zur Arbeitssicherheit kämpfen, sondern auch gegen die Arbeitsplatzvernichtung im Bergbau, die Umweltzerstörung durch den Bergbau ... Gemeinsam über Ländergrenzen hinweg können wir ein gewaltiges Wort über die Gestaltung unserer eigenen Zukunft mitreden für ein reiches, würdevolles und gesundes Leben aller Menschen - ohne Ausbeutung und Unterdrückung."

Die internationale Solidarität ist auch gegen die jetzt geplanten Zechenschließungen in Europa eine wichtige Waffe: In einem europaweiten Kampf können EU-Gesetze zu Fall gebracht werden!

Mehr über die Bergarbeiterinitiative Kumpel für AUF erfährt man auf der Homepage www.minersnet.org. Die am Wochenende im Ruhrgebiet beginnende Kulturwoche der Initiative zu "90 Jahre Rote Ruhrarmee" wird vorgestellt auf http://www.auf-gelsenkirchen.de/.