Politik

Der tragische Tod von Josef "Sepp" Daxenberger

München (Korrespondenz), 20.08.10: Am Mittwoch verstarb "Sepp" Daxenberger, der ehemalige Vorsitzende der bayerischen Grünen, mit nur 48 Jahren an einer schweren Knochen- und Blutkrebserkrankung. Weit über seine oberbayerische Heimatgemeinde Waging am See hinaus sind die Menschen darüber sehr bestürzt. Daxenberger war "gerade heraus" und hatte sich durch einen kameradschaftlichen Umgang allseits großen Respekt erworben.

Als er 1996 erster bayerischer Bürgermeister der Grünen in Waging wurde, "mistete er den Filz in unserer Gemeindeveraltung aus, darunter leidet die CSU noch heute", meinte ein Einwohner in einem Telefoninterview. Daxenberger verstarb am Tag der Beerdigung seiner Frau Gertraud, die erst am Montag ebenfalls einem Krebsleiden erlag. Das Paar hinterlässt drei Söhne im Alter von 12, 17 und 20 Jahren. Der "Sepp" war in der Bevölkerung äußerst beliebt, weil er ein untypischer bürgerlicher Politiker blieb, trotz Karriere bis zum Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag.

Dazu trug wesentlich seine Herkunft aus kleinbäuerlichen Verhältnissen und die Schlosserausbildung bei, die ihn auch proletarisch prägte. "Viele sehen in mir halt den Sepp, den Bauernbub. Ich habe mich auch immer angestrengt, genau das zu bleiben", meinte er in einem Interview. Daxenberger wurde 1984 bereits mit 22 Jahren für die Grünen in den Gemeinderat gewählt, als Ausdruck eines wachsenden Umweltbewusstseins in der Bevölkerung.

Die Grünen konnten als Sammelbecken der Opposition erstarken, weil sie den kämpferischen Widerstand unter anderem gegen die Atomwiederaufbereitungsanlage Wackersdorf damals noch unterstützen. Allerdings knickten sie ideologisch ein, indem sie den Kapitalismus als System nicht weiter in Frage stellten. Diese widersprüchliche Linie behielt Daxenberger bei. So warb er 2008 zwar für den Milchlieferboykott der Milchbauern, nahm aber nicht an den kämpferischen Molkerei-Blockaden teil. Parallel förderte er die kleinbürgerliche Denkweise mit der Suche nach einem individuellen Ausweg als Biobauer.

Besonders tragisch ist der doppelte Krebstod von Daxenberger und seiner Frau auch deshalb, weil in der Region Waginger See Krebsfälle signifikant zunehmen. Hier gab es nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 mit die massivsten Niederschläge, Pilze sind hier noch heute enorm unter anderem mit Cäsium belastet. Es wäre eine wichtige Würdigung und Höherentwicklung von Daxenbergers Umweltpolitik und Kampfgeist, dem Zusammenhang von Krebsraten und atomarem Niederschlag kritisch nachzugehen, ohne sich dabei vor antikommunistischem Gegenwind zu drücken.